Wie Urlaub auf der Couch!

15.05.2018
32°54,6’N 071°50,0’W

Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wie es uns diesmal auf hoher See so geht. Obwohl wir täglich eine Nachricht mit unserem Iridium-Telefon in die Heimat schicken haben wir den Eindruck, dass nicht immer alle Nachrichten angekommen sind. Also auf diesem Wege auch noch mal: seid versichert, uns geht es sehr gut!

Als wir Ende letzten Jahres den Atlantik von Ost nach West überquert haben hatten wir eine großartige Überfahrt und konnten uns kaum vorstellen, dass es hätte besser laufen können. Aber bisher toppt die Fahrt in Richtung Bermuda alles, was wir seglerisch bisher erlebt haben (hoffen wir, dass es so bleibt!). Ihr könnt euch das ungefähr so vorstellen, als verbrächte man einen Urlaub zuhause und fläzt sich ein paar Wochen lang im Jogginganzug auf der Couch, wobei man sich maximal bis zum Kühlschrank begibt um was zu futtern zu holen und gelegentlich ins Bad verschwindet. So ungefähr ist es bei uns gerade! Seit wir am Donnerstag in Daytona Beach gestartet sind haben wir noch kein einziges Mal eine Wellenhöhe über einem halben Meter verzeichnet, der Wind weht mit 3-4 Windstärken aus Süden und gelegentlich schieben der Golfstrom oder seine Ausläufer ein bisschen mit. Die Krassy hat zwischenzeitlich so wenig geschaukelt, dass man unter Deck den Eindruck hatte im Hafen zu liegen, obwohl wir eigentlich mit 6 Knoten durch den Atlantischen Ozean flogen. Es ist kurz gesagt einfach herrlich!

Gelegentlich hat uns allerdings auch schon die eine oder andere Flaute erwischt wobei wir dann nur noch 1 Knoten Fahrt über Grund machten, also praktisch auf der Stelle standen. Aber mittlerweile sind wir die personifizierte Gelassenheit und so lange die Segel nicht allzu sehr schlagen sitzen wir auch geduldig die Flauten aus. Im Schnitt sind wir nämlich trotz gelegentlicher Windstille unsere 5 Knoten, also Etmale von 120 Meilen gefahren, denn es kommt zuverlässig nach ein paar Stunden immer wieder genug Wind auf um gut voran zu kommen.

Unsere Kurslinie, die wir gewissenhaft in der Seekarte verzeichnen sieht ein wenig aus als wäre ein Besoffener am Steuer, denn wir sind ein paar Umwege gefahren um im Golfstrom zu bleiben. Vorgestern begegnete uns eine englische Yacht, mit der wir kurz Funkkontakt hatten. Die Crew bekommt regelmäßig Updates vom Wettergott der amerikanischen Ostküste, Chris Parker, und ließ uns wissen, dass ein sogenannter „Cold Eddie“, ein Kaltwasserwirbel etwa 100 Meilen vor uns lag. Die Eddies sind kleinere Strömungswirbel, die sich am Rand des Golfstroms bilden können und je nachdem ob sie warm oder kalt sind drehen sie sich im oder gegen den Uhrzeigersinn. Wenn man also gutes Wetterrouting hat kann man die Eddies nutzen und sich von der Strömung etwas schieben lassen. Wenn man sie auf der falschen Seite erwischt, hat man die Strömung für eine Weile gegen sich. Wir fuhren also einen kleinen Umweg und nahmen die Strömung mit.

Jetzt sind wir wieder auf Kurs und wenn die Bedingungen so bleiben wie sie jetzt sind hätten wir nichts dagegen einfach bis zu den Azoren durch zu fahren, aber wir halten unseren Kurs trotzdem so, dass wir noch Bermuda ansteuern können, sollte das nötig sein.

Unsere Zeit verbringen wir indes wie zwei echte Couchpotatos, lümmeln in der Plicht herum und während wir Harry Potter dabei zuhören wie er im Trimagischen Turnier gegen Drachen und Wassermenschen kämpfen muss genießen wir die ruhige See. Wir haken gewissenhaft auf meiner großen Liste alle Lebensmittel ab, die wir verbrauchen, machen gelegentlich ein Nickerchen und abends wird lecker gekocht, gestern gab’s zum Beispiel mal wieder Krassy-Pizza.

Auch mit dem Schlafen klappt es dank der ruhigen See ausgezeichnet. Die ersten beiden Nächte sind immer ein bisschen anstrengend, aber mittlerweile haben wir uns wieder an den Wachwechsel gewöhnt und sind tagsüber erstaunlich fit. Die vorletzte Nacht war übrigens so gut, dass wir es kaum glauben konnten. Der Wind wehte absolut konstant und unser Windpilot hielt ausnahmsweise mal ganze 12 Stunden am Stück seinen Kurs während auch verkehrstechnisch absolute Stille herrschte und wir so sogar unsere Wachen ganz entspannt angehen konnten.

Mit dem Hochladen des Blogbeitrages holen wir uns auch gleich neue Wetterdaten, aber bisher scheint uns der laue Wind noch bis zum Ende der Woche erhalten zu bleiben, was uns auch unser Wetterfrosch in Bremen bestätigt hat (Danke noch mal Hajo!). Also drückt uns die Daumen, dass Neptun auch weiterhin so gut zu uns ist!

-Steffi

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