Wetter-Roulette

30.06.2018

Es ist mal wieder an der Zeit Abschied zu nehmen von La Coruna, das uns vor 10 Monaten schon sehr gut gefallen hat, und uns auch jetzt wieder mit seinem Zauber betört. Die letzten Tage machten wir entspannt, schliefen aus und aßen exzellent.

Aber wir gammelten nicht nur rum. Es stand mal wieder allgemeine Krassy-Pflege auf dem Programm, die durch das tagelange Am-Wind-Segeln ordentlich Wasser geschluckt hatte. Das Badezimmer, der Teppich und die Bodenbretter waren so salzgesättigt, dass sie gar nicht mehr trocknen wollten. Im Gegenteil: Abends, wenn es kühler und feuchter wurde, zog das Salz Wasser an, so dass sich an den Wänden tatsächlich Wassertropfen bildeten, als hätte es gerade geregnet. Da half nur eins: Spülen mit reichlich Süßwasser und trocken legen. So wurden sämtliche betroffenen Bodenbretter ausgebaut, gereinigt und dann in die Sonne gestellt, der nasse Teppich wurde in Süßwasser gewaschen und an der Reling zum Trocknen aufgehängt, usw.

Dann musste die Krassy an Deck noch entsalzt und gereinigt werden, wir mussten dringend Wäsche waschen und ich hatte noch einen kleinen Tauchgang gewonnen. Ältere Rassys haben das Problem, dass das Ruderlager mit den Jahren etwas ausschlägt und daher das Ruderblatt Spiel bekommt. Das macht sich durch dumpfes Rumpeln bemerkbar, vor allem, wenn die Wellen von achtern kommen. Im Laufe der Reise wurden aus dem dumpfen Rumpeln immer härtere Schläge, die echt beängstigend sein können. Also stand eine Inspektion am Ruder an: Wie viel Spiel hat es nun, und sieht man irgendwelche offensichtlichen Schäden? So ging ich, zur Unterhaltung des halben Hafens baden, laut fluchend über die arktischen Wassertemperaturen, und sah mir die ganze Angelegenheit an: Keine sichtbaren Schäden oder Schleifspuren, und das Spiel ist, soweit man das im Wasser abschätzen kann, nicht viel größer geworden als damals in Mindelo, wo ich das letzte Mal nachgeschaut habe. Ein nachfolgendes Telefonat mit Hallberg-Rassy gab Entwarnung: Fahrt erstmal nach Hause, und geht die Baustelle in Ruhe im Winter an. Erst ab einem Zentimeter Spiel sollte man was machen, und so schlimm ist das momentan noch nicht.

Gestern Abend wartete die Krassy mit einer unangenehmen Überraschung auf: Die Beleuchtung im Bad und im vorderem Durchgang brachte nur ein schwaches, funzeliges Licht zustande. Mist! Was ist denn das jetzt? Zum Glück funktionierte sonst alles normal, die Batterien sind ok. Ein kurzes Studium des Leitungsplans und die eine oder andere herausgedrehte Sicherung ergaben, dass alle drei Lampen an einer gemeinsamen Zuleitung hängen. Die scheint irgendwo beschädigt zu sein. Nur wo verläuft die Leitung? Zwei Stunden lang nahmen wir Deckenverkleidungen ab und räumten Schränke leer, bis wir das richtige Kabel identifiziert haben und nachverfolgen konnten. Und tatsächlich: Wenn man an der Stelle, an der das Kabel durch das Hauptschott zum Vorschiff geführt wurde am Kabel zieht, fing das Licht an zu flackern. Da ist was faul. Auf Verdacht schnitten wir dort einen halben Meter Original-Kabel raus und setzten ein neues Kabelstück ein, und alles funktioniert wieder. Eine schöne Lösung ist das freilich nicht. Im Winter (oder irgendwann) tauschen wir mal das ganze Kabel aus. Das ist dann allerdings ein größeres Projekt.

Und wenn wir nicht gerade an der Krassy gebaut haben, tingelten wir durch die Stadt, bummelten etwas durch die Geschäfte, besuchten die eine oder andere Tapas-Bar. Vorgestern machten wir einen Ausflug ins Einkaufszentrum am Stadtrand, und zum Abend durfte ich in der „Pulperia“ meinen wahrscheinlich letzten Pulpo dieser Reise genießen.

Jetzt schauen wir wieder nach vorne. Die Wetterprognose für die nächsten Tage hat etwas von Roulette. Das eine Modell (GFS) sieht ganz vielversprechend aus, dass wir wohl einen guten Teil der Distanz segeln können, das andere Modell (ECMWF) verspricht sehr viele Motorstunden, und ein drittes Modell (ICON) liegt irgendwo dazwischen. Immerhin sind sich alle drei Modelle darin einig, dass wir es wohl eher mit zu wenig Wind zu tun haben als mit zu viel Wind. Aber die Wetterlage an sich scheint schwierig vorhersagbar zu sein. Lassen wir uns überraschen. Jedenfalls müssen wir mit dem einen oder anderen Schauer, der einen oder anderen Nebelbank und vielleicht auch mal mit einem Gewitter rechnen. Zur Vorbereitung haben wir bereits wieder auf das große Vorsegel gewechselt, dann wird der Dieseltank gefüllt, und dann – naja – zur Not motoren wir halt über die Biskaya. Wohin die Reise geht, steht noch nicht fest. Mindestens bis Brest, vielleicht aber auch ein Stückchen weiter. Das hängt von unserer Laune, dem Wetter und dem Füllstand unseres Dieseltanks ab.

-Christian

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