Vakantie in Nederland

12.07.2018

Als aller erstes müssen wir mal ein dickes fettes DANKESCHÖN an euch aussprechen! Nach unserem letzten Blogbeitrag haben wir so viele Nachrichten und Anrufe von Freunden, Kollegen und Familie bekommen wie bisher noch nie. Alle haben uns aufgemuntert, Unterstützung angeboten, hilfreiche Tipps gegeben oder die Daumen gedrückt. Jede einzelne Nachricht war ein kleiner Segen und hat uns unsäglich geholfen! Ihr seid die Besten!!!

Vorgestern haben wir es noch mal gewagt und den Hafen von Nieuwpoort verlassen. Als morgens früh unser Wecker klingelte war die erste Reaktion „Nä! Kein Bock auf Segeln!“. Nach kurzem Überlegen war aber doch klar, dass das unsere Chance wäre und wenn nicht heute, dann erst mal gar nicht. Wir zogen also noch am Steg das Großsegel hoch und starteten den Motor zum Ablegen. Ein Stückchen konnten wir noch im Zufahrtskanal zum Hafen segeln, allerdings stand die Strömung dort gegen uns und der Wind wehte mehr oder weniger von vorne. Wohl oder übel musste der Motor also noch mal helfen und so ließen wir ihn quälende 25 Minuten sehr sehr vorsichtig mitschieben. Im Motorraum blieb aber alles normal und sobald wir die Mole passiert hatten wurde gesegelt.

Am Anfang lief es noch ein wenig schleppend, denn die Wellen bremsten uns immer wieder aus, aber nach und nach legte der Wind zu und wir rauschten mit der Strömung fix auf unser Ziel zu. Die Nordsee präsentierte sich ganz Nordsee-mäßig ungemütlich, es war ziemlich kalt und grau und der Wind kam zumindest auf der ersten Hälfte der Strecke mehr von vorne als vorhergesagt. Trotzdem war es eigentlich herrliches segeln, zumindest wenn man gut in Ölzeug eingepackt war und weil wir wussten, dass wir abends im Hafen ankommen würden. Als wir Zeebrügge passiert hatten konnten wir mehr Halbwind fahren und es wurde zwar segeltechnisch etwas entspannter, aber dafür legte der Verkehr zu. Christian war ein wenig nervös, denn wir sind es nicht mehr gewohnt so dicht die Großschifffahrt zu passieren. Auf dem Atlantik bekommt man schon einen Schrecken, wenn man ein anderes Schiff in einem Abstand von 10 Meilen entdeckt, aber hier ist es ganz normal selbst mit den dicken Pötten nur einen CPA (closest point of approach, den kleinstens Abstand in dem man passiert) von unter einer Meile zu haben.

Mit nur leichter Gegenströmung aber mittlerweile ordentlich Wind erreichten wir Breskens und obwohl uns direkt vor der Hafeneinfahrt doch tatsächlich noch ein Frachter direkt vor der Nase ebenfalls in den Hafen fuhr, erreichten wir die Einfahrt ganz gut unter Segeln. Dann musste aber noch mal der Motor ran, denn mit so viel Wind hätten wir auf keinen Fall vernünftig anlegen können. An einem langen und völlig freien Steg schafften wir es trotz meines Manövers mit viel zu viel Fahrt im Boot heile anzulegen. Total durchgefroren machten wir es uns erst mal unter Deck gemütlich und wärmten uns ein wenig auf bevor wir abends in den Ort spazierten um uns ein Abendessen zu gönnen.

Die Ankunft in Holland war wie ein riesiges Gewicht, das von unseren Schultern fiel, auch wenn wir genau genommen nicht allzu viel näher an die Heimat gekommen sind. Aber obwohl wir morgens noch mit uns gehadert hatten und die Überfahrt doch etwas anstrengend war, war es absolut richtig, dass wir gefahren sind. In dem Wissen, dass wir nun auf jeden Fall ein paar Tage oder vielleicht sogar ein paar mehr, hier bleiben müssen, machen wir jetzt Urlaub. Es bleibt uns ja auch erst mal nicht viel anderes übrig.

Am nächsten Morgen schliefen wir endlich mal wieder nach einer richtig guten Nacht ordentlich aus, ganz nach dem Grundsatz „Wer einatmet muss ausatmen – wer einschläft muss ausschlafen“. Erholt wie seit Wochen nicht mehr belohnten wir uns mit einem ausgedehnten Pfannkuchenfrühstück und einer heißen Dusche und drehten danach eine Runde durch den Ort. Der Ausrüster und auch der Fahrradverleih hatten zwar geschlossen und auch einen Segelmacher gibt es hier leider nicht, aber wir haben ja noch ein bisschen Zeit. Wir fanden eine richtig nette Strandbar in der dann auch echtes Urlaubsfeeling aufkam während wir die spielenden Kinder am Strand beobachteten. Auf dem Rückweg gab’s für Christian noch den obligatorischen Hollandse Nieuwe und den Rest des Nachmittags bekam dann die Krassy noch mal ein wenig Pflege.

Heute mieteten wir uns wie geplant zwei Fahrräder. Eine bessere Möglichkeit sich in Holland fortzubewegen gibt es einfach nicht! Mit den super Hollandrädern (ich würde mein am liebsten nicht mehr zurück geben!) fuhren wir dann zur Fähre und über die Westerschelde nach Vlissingen. Der Ort ist deutlich größer als Breskens und vor allem gibt es hier eine Action-Filiale! Das ist mein absoluter Lieblingsladen, nur leider gibt es noch immer keine Filiale in Hamburg. Ich durfte mich dort ein wenig austoben und total happy über den gelungenen Einkauf setzten wir uns anschließend in ein richtig nettes Café in die pralle Sonne. Dort hätten wir fast den ganzen Nachmittag verbummelt, aber irgendwann rafften wir uns doch noch zu einer Runde durch das hübsche Städtchen auf. Vlissingen ist wirklich schön und bei dem phantastischen Wetter das wir im Moment haben konnten wir unseren kleinen Ausflug so richtig genießen! Genau so einen Tag haben wir mal wieder gebraucht!

Auch morgen haben wir noch unsere Fahrräder und momentan sieht es so aus als würden wir auch noch ein paar Tage länger bleiben müssen. Morgen wollen wir erst mal nach Cadzand, dort hat Christian als Kind Urlaub gemacht und er erzählt immer wieder mit strahlenden Augen, dass man dort Haifischzähne am Strand finden kann. Ihr könnt also mal raten, was wir morgen machen…

Wie sich das Wetter entwickelt ist im Moment schwer zu sagen. Die Windvorhersagen scheinen sich mit jedem neuen Update wieder völlig zu verändern. Wir hoffen in den nächsten Tagen eine Möglichkeit zu bekommen zumindest bis nach Scheveningen oder Ijmuiden zu kommen, dafür brauchen wir den Wind aber nicht nur aus der richtigen Richtung, sondern auch in der richtigen Stärke und das auch für mehr als nur ein paar Stunden. Bis dahin machen wir das Beste aus der Situation und genießen die Zeit, denn es gibt deutlich schlechtere Orte an denen man auf ein Wetterfenster warten kann.

Vielleicht noch ein Wort zu unserem Motor: wir haben uns vorerst dagegen entschieden ihn hier in Holland reparieren zu lassen. Alle mit denen wir zu diesem Thema gesprochen haben sind sich darin einig, dass er höchstwahrscheinlich noch gut bis nach Hause durchhalten wird wenn wir ihn sehr vorsichtig benutzen und das tun wir. Sollten wir jemanden finden, der alle Teile vorrätig hat würden wir uns das noch mal überlegen, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass es hier so einen Mechaniker gibt, denn der Motor ist eben alt. In Hamburg könnten wir die ganze Reparatur entspannter angehen und die letzten Etappen haben unser Vertrauen in die alte Kiste auch wieder ein wenig aufgewärmt.

-Steffi

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