Die zwei Gesichter der Nordsee

17.07.2018

Die letzten Tage blieb die Krassy im Hafen  von Breskens. Die blöde Ostwindlage gewährte uns kein Weiterkommen, aber großartiges Wetter. Und wir haben das Beste daraus gemacht: Wir haben es genossen. Wir mieteten uns ein paar Fahrräder und fuhren viel in der Gegend rum, machten Ausflüge nach Cadzand und Vlissingen, Steffi freute sich wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, als sie endlich mal wieder ihr holländisches Lieblingsgeschäft, den Action Markt, besuchen konnte, ich versuchte vergebens, einen fossilen Haifischzahn zu finden, wir genossen die Sonne, schliefen aus und gönnten uns das eine oder andere gute Essen und / oder Kaltgetränk.

Gestern hatten wir noch spontanen Besuch aus der Heimat. Langjährige Freunde meiner Familie sind häufig in Breskens und Umgebung unterwegs und auch zufälligerweise gerade vor Ort. So wurden sie kurzerhand auf einen Drink auf die Krassy eingeladen, es gab eine kleine Bootsführung, wir klönten etwas, und freuten uns über die nette Abwechslung.

Heute sollte das aber mal wieder weiter gehen. Die Wettervorhersage versprach uns südwestliche bis westliche Winde 4-5, und zumindest bis jetzt wurde dieses Versprechen auch eingelöst. Der unerbittliche Takt der Gezeiten zwang uns wieder früh aus dem Bett, bereits um halb sieben haben wir unseren Liegeplatz verlassen. In der Westerschelde gibt es enorme Gezeitenströme, mit denen man sich nicht anlegen will. Und es ist noch Springzeit. So konnten wir die Westerschelde entspannt queren, und langsam setzte auch der versprochene Wind ein. Allerdings lag noch etwas Arbeit vor uns. Bevor wir auf einen entspannten Vorwindkurs abdrehen konnten, mussten wir noch an Westkapelle vorbei. Das erfolgte hart am Wind und war ein heißer Ritt. Das Oostgat (das Fahrwasser dort) ist tief und von Land und Sandbänken gesäumt. Strömungstechnisch geht hier die Luzi ab – und wir mittendrin. Mit bis zu 10.5 Knoten über Grund rannte die Krassy wie eine Wahnsinnige – und wurde dabei böse durchgeschüttelt. Wir hatten nämlich eine klassische Wind-gegen-Strom-Situation, die aus dem Oostgat einen echten Hexenkessel gemacht hat. Innerhalb kürzester Zeit war die Krassy von außen wie von innen nass und salzig.

Nach einer knappen Stunde konnten wir endlich die ersehnte Kursänderung durchführen, und plötzlich waren wir in freiem Wasser und uns war bestes Sommersegeln beschert. Wenig später stand unser bewährtes Dreier-Setup und wir rauschten nach Nordosten.

Stressig wurde es noch einmal vor der Hafeneinfahrt von Rotterdam. Als hätten die Schiffe alle gewartet, bis wir da sind, staken wir plötzlich mitten im der ein- und auslaufenden Großschifffahrt. Blöd war, dass wir mit unserem Dreier-Setup nur sehr schlecht manövrieren können. So haben wir uns zwar etwas gestresst, aber erfolgreich durchlaviert. Das Seegebiet wird übrigens überwacht. Man meldet sich per Funk bei „Maas Entrance“ an, und bekommt dann Anweisungen, wie man welchem Fahrzeug aus dem Weg zu gehen hat.

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Begegnung mit Til(l) Jacob

Nun befinden wir uns vor Scheveningen und haben noch ca. 20sm vor uns. Eigentlich wollten wir dort rein, weil das ein netter Ort ist, man schnell in Den Haag ist, und wir wohl wieder ein paar Tage liegen blieben müssen. Zufälligerweise hatten wir aber gestern noch herausgefunden, dass der Hafen wegen einer Großveranstaltung derzeit für Gastyachten gesperrt ist – na super, ausgerechnet. Also geht’s weiter bis Ijmuiden. Der Wind soll zum Abend nachlassen, und irgendwann kippt auch wieder die Strömung gegen uns. Aus der Befürchtung heraus, dass wir dann vor der Hafeneinfahrt verhungern könnten, wollten wir es eigentlich vermeiden, Ijmuiden direkt anzulaufen. Aber noch läuft’s, und die letzten Wetterberichte versprechen uns auch noch etwas Wind bis in die Nacht.

Dort  haben wir dann zwei Optionen: Entweder das Wetter meint es gut mit uns, und wir können weiter in Richtung Hamburg segeln. Oder eine Änderung ist nicht in Sicht. Dann könnten wir versuchen, binnen über Amsterdam nach Warns zu gelangen, unserem Heimathafen für viele Jahre mit der „Laughing Jack“. Dort könnte dann der Motor repariert und die Krassy für den Winter eingemottet werden.

Wir werden sehen, was passiert. Noch hoffen wir auf Hamburg, aber dafür bräuchten wir zumindest 48 Stunden stabiles Westwetter – und das ist momentan nicht in Sicht.

-Christian

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