Ein Silberstreif am Horizont

24.07.2018

Wir haben euch ein bisschen auf die Folter gespannt, aber seit unserem letzten (leicht frustrierten) Beitrag ist einiges passiert. Ich weiß, ich hab’s schon mal gesagt, aber wir können uns einfach nicht oft genug für eure Unterstützung bedanken! Christian und ich haben uns seit der Motor kaputt gegangen ist immer wieder abgewechselt, mal war der eine und mal der andere frustriert und hoffnungslos (nicht die ganze Zeit natürlich, es waren trotzdem ein paar tolle Tage dabei!). Auch wenn es uns nicht gefällt, aber auch die Probleme gehören untrennbar zu so einer Reise dazu und da der Blog für uns wie eine Art Reisetagebuch ist schreiben wir natürlich auch die nicht so tollen Momente auf. Und immer wieder bekommen wir in den letzten Tagen Nachrichten aus aller Welt die uns aufmuntern. Uns war um ehrlich zu sein gar nicht bewusst wie viele Leute unseren Blog lesen! Unsere Statistik zeigt uns zwar die Zugriffszahlen und die Anzahl der Aufrufe pro Tag, aber natürlich wissen wir nicht wer da auf unserem Blog unterwegs war. Lediglich die Länder aus denen die Zugriffe kommen können wir sehen und die Liste ist schon ganz beeindruckend!

Aber zu dem, was hier in Ijmuiden in den letzten Tagen so los war: das Wochenende war bei uns gefüllt mit Besuchen. Zuerst kamen mein Bruder und mein Papa vorbei. Mein Bruder war aus Berlin zu Besuch in der Heimat und hat spontan meinen Papa zu einer Cabriotour nach Holland überredet (ist gar nicht so weit von Ostwestfalen). Bei schönstem Wetter kamen die beiden also gegen Mittag bei uns an und nach einer Runde Kaffee und verspätetem Geburtstagskuchen für meinen Papa unternahmen wir einen kleinen Strandspaziergang. Bevor die beiden wieder zurückfahren mussten gab es noch ein Barbecue in einer der vielen Strandbars direkt hinterm Deich am Hafen. Es war ein toller Tag und richtig schön meine Familie nach so langer Zeit wieder zu sehen! Danke, dass ihr da wart! Das hat uns echt gut getan!

Auch für den nächsten Vormittag hatte sich Besuch angekündigt. Diesmal kamen Karsten und Carla auf ihren coolen Harleys angeknattert. Die beiden hatten wir während unseres letzten Segelurlaubs vor der Reise in Schweden kennengelernt  und wir haben uns auf Anhieb super verstanden. Eine absolut langfahrttaugliche Rassy haben die zwei schon und sind jetzt auch dabei sich Stück für Stück auf eine größere Reise vorzubereiten. Da konnten wir uns natürlich bei Kaffee und Kuchen bestens zu austauschen und mal wieder verging die Zeit viel zu schnell bevor die beiden wieder ihre Bikes bestiegen um den langen Heimweg nach Süddeutschland anzutreten. Es war toll euch wieder zu sehen und wir wünschen euch natürlich alles, alles Gute für die hoffentlich bald bevorstehende Reise!

Den Rest des Tages war ich dann mal wieder dran mit getrübter Stimmung. Irgendwie sah die Windvorhersage nicht so aus wie ich es mir gewünscht hätte und der Gedanke an die bevorstehenden organisatorischen Schwierigkeiten falls das Boot in Holland bleiben müsste war auch nicht gerade erheiternd. Am meisten ist es aber wohl das nahende Ende unserer Reise, das mich ein wenig traurig macht. Bevor wir losgefahren sind wurden wir immer wieder gefragt, ob wir nicht Angst haben uns gegenseitig unterwegs die Köpfe einzuschlagen. „Den ganzen Tag zusammen in dem kleinen Boot? Das könnte ich nicht!“ war eine der vielen Aussagen, die wir zu diesem Thema gehört haben. Aber bei all den wunderbaren Sachen, die wir auf dieser großartigen Reise erleben durften war es das allerschönste, dass wir sie zusammen erlebt haben! Die Aussicht darauf, dass wir in einer guten Woche wieder in den Alltag zurück müssen ist nicht gerade toll. Christian arbeitet in Bremen, ich in Hamburg und so sehen wir uns unter der Woche kaum, denn Christian verbringt zwangsläufig 4 Stunden am Tag in der Bahn und auch die Wochenenden sind, wie jeder berufstätige ja weiß, extrem kurz. Naja, aber auch das gehört dazu! Wir munterten uns am Abend wieder auf indem wir uns alte Fotos anschauten, die wir auf einer der externen Festplatten gefunden hatten, die ich eingepackt hatte. Während wir uns durch Fotos von Parties im Studentenwohnheim, lange zurück liegenden Urlauben und Christian’s Praktikum auf See (ja, ja, er fängt auch gern Sätze an mit „Damals, als ich noch zur See gefahren bin…“) ansahen stellten wir doch tatsächlich fest, dass er auf den meisten Bildern das gleiche T-Shirt anhatte! Und jetzt ratet mal, welches T-Shirt er just an diesem Abend trug… Volvo Ocean Race 2011, dunkelblau, habt ihr bestimmt schon mal gesehen! Vielleicht sollten wir dem armen Jungen mal ein neues T-Shirt kaufen…

Im Laufe des Sonntags fing auch die Windvorhersage langsam an sich zu verändern und alle Vorhersagemodelle versprachen eine deutliche Besserung für uns. Das ließ uns Hoffnung schöpfen und da diese Vorhersagen auch bis heute noch stabil aussehen sind wir ganz optimistisch, dass wir wahrscheinlich ab Donnerstag ein gutes Wetterfenster bekommen könnten mit dem es sogar möglich wäre bis nach Hamburg zu kommen. Drückt also ganz fest die Daumen, dass es dabei bleibt!

Um unsere Chancen auf eine erfolgreiche Fahrt nach Hamburg noch zu erhöhen haben wir uns entschieden noch einen kleinen Umbau an der Krassy vorzunehmen. Montag fuhren wir also bei brütender Hitze mit dem Bus zum nahegelegenen Bootsausrüster um eine Halterung für unseren Außenbordmotor zu kaufen. Nach ein wenig Lauferei zu einem Yamaha-Händler und einem Baumarkt hatten wir alles was wir brauchten zusammen und fingen zurück im Hafen auch gleich an die beiden massiven Holzbretter zu verschrauben und die Halterung an der dicken Platte festzumachen. Bevor wir losgefahren waren hatten wir extra noch die Krassy in ihrer Box umgedreht. Ohne Motoreinsatz war das eine etwas abenteuerliche Aktion und sicher ein lohnenswertes Hafenkino. Ein Stegnachbar erbarmte sich dann aber noch uns zu helfen nachdem er gute 10 Minuten mit einem großen Fragezeichen im Gesicht zugeschaut hatte wie wir unser dickes Bötchen um einen großen Poller herumzudrehen versuchten. Ist total merkwürdig unsere Krassy mit dem Heck zum Steg in der Box stehen zu sehen. Normalerweise würden wir niemals rückwärts an den Steg fahren, denn die Krassy lässt sich erstens sehr schlecht rückwärts manövrieren und zweites ist es normalerweise völlig unnötig!

Da es während unserer Bauarbeiten aber langsam spät wurde und unsere gestrigen Stegnachbarn nicht nur furchtbar unsympathisch daher kamen, sondern noch dazu einen mörderisch fiesen Kampfhund dabei hatten, der die ganze Zeit über das Nachbarboot patroullierte, wollten wir lieber kein Risiko eingehen und verschoben die lauteren und staubigeren Arbeiten vorsichtshalber auf den nächsten Tag. Als die Nachbarn heute Vormittag weg waren konnten wir noch das Brett absägen und es mit stabilen Schellen an der hochgeklappten und fixierten Badeleiter anbringen. Die Halterung die wir gekauft haben lässt sich hochklappen wenn man sie nicht braucht und so können wir den kleinen 5PS-Motor schonen solange sich die Strecke segeln lässt.

Der Motor war dann auch schnell angebaut, ließ sich allerdings ganz schön bitten bevor er endlich ansprang! Christian hatte sich vom Ziehen an der Startschnur schon ordentlich die Hände aufgescheuert, aber als er endlich lief machte der kleine Motor erstaunlich viel Vortrieb. Für eine Flaute sind wir so also super gerüstet! Wir hatten auch gleich noch einen externen Tank und eine Zuleitung organisiert und können so genügend Sprit mitnehmen um einige Stunden mitzuschieben. Es ist ein wenig abenteuerlich vom Boot aus den Außenborder zu starten, aber wenn er einmal an ist lässt er sich ganz gut bedienen und wenn alles läuft wie geplant werden die ganze Konstruktion hoffentlich gar nicht brauchen! Ihr seht also, wir konzentrieren uns auf den Silberstreif am Horizont!

-Steffi

 

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3 Gedanken zu „Ein Silberstreif am Horizont“

  1. Ich hatte mir auch so was gedacht (wir haben lange so ein Konstrukt rumgefahren, das wir aus Daffke, nicht aus Notwendigkeit ersonnen hatten – aber irgendwann ist es einer Backskistenentlastungsaktion zum Opfer gefallen. Aber hurra! Bei Euch macht es Sinn. Trinidad drückt die Daumen!

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