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19.08.2018

Wir hatten versprochen noch ein bisschen weiter zu schreiben und euch zu erzählen, wie wir nach unserer großartigen Reise wieder im Alltag ankommen und wir haben euch nicht vergessen, auch wenn es ein wenig gedauert hat, bis wir uns wieder zum schreiben aufraffen konnten. Es ist erstaunlich schwierig sich wieder an den Blog zu setzen, wenn man nicht mehr auf Reisen ist…

Die Krassy haben wir in Cuxhaven gut versorgt und sie dort erst mal zurückgelassen, damit sie sich von den Anstrengungen der langen Reise ein wenig erholen kann :-). Wie ihr ja wisst wurde die Zeit für uns langsam knapp, denn am 1. August erwarteten uns unsere Chefs wieder zurück am Schreibtisch, mich in Hamburg, Christian in Bremen. Wir packten in der glühenden Hitze, die in Deutschland immer noch herrschte, alle unsere Sachen zusammen und suchten dafür alle Tüten und Taschen zusammen, die wir auf der Krassy finden konnten. Es ist schon erstaunlich, wie viel Zeug sich in einem Jahr ansammelt… Gleichzeitig mussten wir die Krassy aber natürlich auch noch saubermachen und sie für einen kleinen Aufenthalt in Cuxhaven bereit machen.

Während ich also schon mal anfing zu packen ging Christian los um uns einen Mietwagen zu organisieren. Nach und nach leerte sich dann die Krassy und der Kofferraum und die Rückbank des Autos füllten sich. Es war schon sehr merkwürdig, ein fast leeres Boot zurückzulassen, das doch zuvor so sehr zu unserem zuhause geworden war und gleichzeitig zu sehen, dass unser ganzes Leben in ein Auto gepackt war.

Ein bisschen wehmütig machten wir uns also auf den Weg nach Hamburg. Jetzt war die Reise wirklich vorbei und das Abenteuer Alltag stand uns bevor. Dafür bekamen wir dank einiger Umleitungen sogar noch eine Stadtrundfahrt durch den Hafen, die Hafencity, die Speicherstadt, die Mönckebergstraße und entlang der Außenalster von unserem Navi. Hamburg begrüßte uns mit seinen schönsten Sehenswürdigkeiten! Zum Glück konnten wir noch am Montagabend unsere Wohnung in Hamburg wieder beziehen. Unser Zwischenmieter war schon ausgezogen, hatte alles blitzblank sauber gemacht und die Wohnung in einem Top-Zustand hinterlassen. Wir bekamen noch am Abend unsere Schlüssel zurück, schleppten unsere Sachen aus dem Auto in den dritten Stock und suchten uns dann völlig ausgehungert ein Restaurant in der Nachbarschaft wo wir auf das wohl schönste Jahr unseres Lebens anstießen.

Unser letzter freier Tag bevor es wieder zurück zur Arbeit gehen sollte ging damit drauf, dass wir unsere Sachen wieder einräumten, die ersten Kisten vom Dachboden holten, Wäsche wuschen (was für ein Luxus!) und gleichzeitig großzügig unsere Sachen aussortierten und wegwarfen. Schon vor der Reise hatten wir großzügig Dinge weggeworfen, die wir nicht mehr brauchten und wir waren ein wenig überrascht, wie viele Sachen wir jetzt trotzdem noch fanden, die wir wirklich nicht mehr brauchen. Man wird doch deutlich genügsamer, wenn man ein ganzes Jahr lang auf einem 10-Meter-Segelboot gelebt hat…

Als wären wir nie weg gewesen fuhren wir am nächsten Morgen zur Arbeit. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit sollten wir einen ganzen Tag lang getrennt sein und das gefiel uns gar nicht. Aber unsere Kollegen empfingen uns beide herzlich und freuten sich, dass wir wieder zurück waren. Wir stellten wieder mal fest, dass deutlich mehr Leute unseren Blog gelesen hatten als wir gedacht hatten und jeder von uns freute sich über das große Interesse an unserem Abenteuer. Aber natürlich gab es auch für uns viel Neues zu erfahren, denn das Leben in der Heimat hat natürlich nicht stillgestanden, nur weil wir nicht da waren und so wollten auch wir erfahren, was bei unseren Kollegen und in unseren Firmen so los war während wir den Atlantik erkundeten.

Mittlerweile sind über 2 Wochen zurück im Job vergangen und das wie im Flug. Während der Reise hatte besonders ich einige Schwierigkeiten mit dem Gedanken bald wieder zurück zur Arbeit zu müssen, aber jetzt wo wir wieder zurück sind fällt mir der Alltag erstaunlich leicht. Die Arbeit macht wieder richtig Spaß und auch der geregelte Alltag tut mir sehr gut. Einzig, dass ich Christian kaum noch sehe stört mich doch gewaltig…

Während für mich schon die Tickets für meine nächste aufregende Dienstreise nach Indien und China gebucht sind, kämpft Christian ein wenig mehr mit dem Alltag, denn die Deutsche Bahn hat ihn nicht gerade herzlich empfangen. Gerade als die neue BahnCard100 gekauft war ging es los mit endlosen Verspätungen und Zugausfällen, sodass gleich die erste Woche zu einer kleinen Zerreißprobe wurde. Dann zog auch noch ein heftiges Gewitter über Norddeutschland und Christian saß stundenlang an verschiedenen winzigen Bahnhöfen irgendwo zwischen Hamburg und Bremen fest. Sein Job ist zwar auch wieder super (Christian ist einer der wenigen Menschen, die ich kenne der so RICHTIG gerne arbeitet!), aber die Pendelei ist nach einem Jahr Auszeit offenbar noch anstrengender als vorher. Jetzt schauen wir doch mal nach einem Auto, denn das würde es Christian deutlich leichter machen zu pendeln.

Trotzdem haben wir uns erstaunlich schnell wieder in Hamburg eingelebt. Unsere Stadt ist einfach schön und bei dem sommerlichen Wetter macht sie natürlich besonders viel Spaß. Vor allem haben wir aber wohl gelernt unsere Zeit wieder richtig zu genießen und so machen wir aus der Zeit, die wir zusammen haben nun noch mehr als wir das vor der Reise getan haben. An den Wochenenden sind wir in Hamburg unterwegs, richten unsere Wohnung ein bisschen her und kochen zusammen. Irgendwie muss man die vielen Stunden, in denen wir uns nicht mehr sehen ja schließlich ausgleichen.

Und was macht eigentlich die Krassy? Wir haben in der Zwischenzeit herumtelefoniert und eine Werft in Cuxhaven gefunden. Der Werkstattmeister war sogar schon vor Ort, hat sich den Motor angeschaut und festgestellt, dass man doch ganz gut an alles herankommt. Wir sind also guter Hoffnung, dass der Motor für die Reparatur wahrscheinlich nicht ausgebaut werden muss und das ist eine echte Erleichterung. Am Freitag hat Christian also zusammen mit seinem lieben Kollegen Hajo die Krassy aus dem Vereinshafen in Cuxhaven rüber zur Werft gebracht. Die beiden fuhren nach der Arbeit von Bremen aus hoch zur Küste und mit Hilfe der Außenborder-Konstruktion die wir in Holland gebaut haben konnten sie die Krassy sicher von A nach B bringen. Christian musste dabei übrigens nach langer Zeit mal wieder ein Hafenmanöver fahren. Auf der Reise und auch schon vorher war ich es nämlich immer, die die Krassy in den Hafen rein und wieder hinaus brachte…

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Die Krassy am Steg vor der Werft

Wir warten jetzt darauf von der Werft zu hören wann es los gehen kann und dann wird Christian sicher noch mal nach Cuxhaven müssen, denn die Reparatur würde er gerne schon live mitbekommen, allein schon um dabei noch ein wenig mehr über unseren alten Motor zu lernen. Vorbereitet ist schon alles, denn Christian und Hajo haben auch gleich noch alle Türen ausgehängt und die Schränke leer geräumt, die vielleicht im Weg sein könnten. Ein wenig sah es dabei übrigens so aus als hätte schon mal jemand die Zylinderkopfdichtung ausgebaut…

Unsere Seekarten haben wir übrigens in der letzten Woche bei ebay verkauft. Die Karten sind extrem teuer und nur begrenzt gültig, also konnten wir einen Teil unserer Kosten wieder reinholen und ein anderer Segler kann sich nun auf seine bevorstehende Reise vorbereiten. Einzig die große Überseglerkarte haben wir behalten, denn dort haben wir fast unsere ganze Reise eingetragen. Wir werden uns für dieses Schätzchen noch einen Bilderrahmen anfertigen lassen und dann bekommt sie einen Ehrenplatz in unserem Wohnzimmer.

Das Satellitentelefon wollte bisher noch niemand haben, aber auch das werden wir weiterverkaufen. Es hat uns zwar gute Dienste geleistet, aber vorerst haben wir natürlich keine Verwendung mehr dafür.

Tja, so schnell ist unsere großartige Reise vorbei. Wir haben ein bisschen was riskiert um uns dieses Jahr zu ermöglichen und gelernt, dass es einen starken Willen braucht um die Entscheidung zu treffen tatsächlich loszufahren. Dann braucht es noch ein gutes Stück Organisationstalent um alles vorzubereiten und gelegentlich muss man auch ein wenig Durchhaltevermögen zeigen wenn man einmal unterwegs ist, aber wir bereuen nicht eine Sekunde, dass wir die Reise gemacht haben sondern sind stolz und glücklich, dass wir es geschafft haben. Wir sind im ganzen letzten Jahr nicht einmal krank gewesen, haben außer einer kleineren Verbrennung und einem aufgeschlagenen Ellenbogen keine nennenswerten Verletzungen gehabt und auch die Krassy hat – abgesehen von der Motorgeschichte – wirklich gut durchgehalten! Das ist alles nicht selbstverständlich, es gehört auch bisschen Glück dazu, aber es hat gereicht um uns das – bisher – schönste Jahr unseres Lebens zu bescheren. Egal wie alt wir mal werden, diese Reise werden wir niemals vergessen! Und falls uns der Alltag doch mal nerven sollte, dann können wir uns jederzeit zurück in die Karibik träumen…

Einer hat aber für mich ganz besonders dazu beigetragen, dass das vergangene Jahr unvergesslich bleibt und das ist natürlich Christian! Ohne dich wäre das alles nicht möglich gewesen und selbst wenn, dann wäre es nicht mal halb so schön gewesen all diese Dinge ohne dich zu erleben. Ich liebe dich!

-Steffi

 

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