Das US-Visum – ein kleiner Ausflug in die Bürokratie

Für unsere gesamte geplante Route brauchen wir tatsächlich nur ein einziges Visum. Für die USA.

Wir kommen zwar nur als Touristen und wollen in den USA weder arbeiten noch bleiben, aber wenn man mit einer privaten Segelyacht einreisen möchte braucht man offenbar auch als Touri ein Visum. Genau wissen wir es nicht, aber wir vermuten das liegt daran, dass wir kein Rückflugticket vorweisen können.

Ich brauchte als erstes einen neuen Reisepass. Der alte wäre zwar noch ein paar Jahre gültig gewesen, ist aber schon ziemlich voll. Also Photos machen, versuchen beim Bezirksamt einen Termin zu bekommen, viel warten, noch mehr fluchen…. Ein paar Wochen später war der neue Pass dann fertig und konnte abgeholt werden.

Die Visa-Anträge für die USA kann man online ausfüllen und hier auch schon die Bilder hochladen. Merkwürdig war, dass Christian und ich teilweise sehr unterschiedliche Angaben machen mussten. Er musste beispielsweise seinen vollständigen beruflichen Werdegang und seine Schulausbildung angeben, bei mir wurde danach nicht gefragt… Warum das so ist konnten wir trotz langer Recherche nicht herausfinden. Das Antragsformular erstreckte sich übrigens über ca. 16 Seiten und dementsprechend lange hat es gedauert alle Informationen einzutragen. Zu Glück konnte man alles zwischenspeichern und musste nicht ständig wieder von vorn anfangen…

Hat man alles vollständig ausgefüllt und haben die hochgeladenen Passbilder die Qualitätsprüfung bestanden kann man den Antrag abschicken. Auch bei den Bildern gab es einige Unterschiede. Christian hat extra neue, spezielle Visa-Fotos machen lassen und zum Glück vorher herausgefunden, dass man neuerdings auf den Visa-Fotos keine Brille mehr tragen darf. Ich habe die Bilder genommen, die ich Ende letzten Jahres für ein anderes Visum gemacht hatte. Obwohl die Formate recht unterschiedlich sind wurden auch hier beide Bilder akzeptiert (oder zumindest nicht bemängelt…)

Als nächstes musste man einen Termin in der Botschaft für ein Interview machen und die stolzen Visa-Gebühren (ca. 150€ pro Person) entrichten. Kreditkarte wird nicht akzeptiert, nur Debitcard. Aha.

Im schönen Hamburg gibt es unseres Wissen nach auch ein US-Konsulat, aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?! Das Interview kann man nur in Berlin, Frankfurt oder München durchführen. Wir entschieden uns natürlich für Berlin.

Einen gemeinsamen Termin konnten wir zum Glück kurzfristig machen. Montags morgens um 9.15 Uhr sollte das Interview stattfinden und frühestens eine halbe Stunde vorher sollte man sich an der Botschaft einfinden, übrigens ohne Handy, Kamera, internetfähige Uhren, Messer, Waffen, Sprengstoffe, Taschen etc… Eine Möglichkeit Dinge einzuschließen gibt es an der Botschaft nicht. Zumindest durften wir bekleidet anreisen…

Eigentlich wollten wir einfach morgens früh mit der Bahn nach Berlin fahren, direkt zur Botschaft und nach dem Termin wieder zurück. Tja, ein paar genauere Nachforschungen ergaben aber schnell, dass einiges gegen diesen Plan sprach. Die Botschaft liegt so weit außerhalb, dass wir vom Hauptbahnhof über eine Stunde unterwegs wären. Dementsprechend hätten wir quasi mitten in der Nacht in Hamburg losfahren müssen. Und was, wenn dann was mit der Bahn schief läuft? Die Visa-Gebühren wären jedenfalls futsch. Und, wohin mit den Sachen? Um ganz ohne Telefone nach Berlin zu reisen sind wir die falsche Generation…

Also haben wir uns ein billiges Hotel für die Nacht von Sonntag auf Montag reserviert. Auf der Karte sah es recht nah an der Botschaft gelegen aus, aber Berlin haben wir gnadenlos unterschätzt. Egal, kriegen wir schon hin.

Sonntag Abend fuhren wir also in die Hauptstadt und nahmen uns am Bahnhof Zoo einfach ein DriveNow-Auto. Die Strecke zum Hotel war überschaubar und es klappte alles wie geschmiert. Im Hotel gab es noch schnell eine heiße Schneidstrahldusche in den Gemeinschaftsbadezimmern und dann ab ins Bett!

Am nächsten Morgen reservierten wir uns kurzer Hand wieder ein Auto und fuhren zur Botschaft, unsere Habseligkeiten blieben im Hotel. Für ein kurzes Frühstück im Café gegenüber war noch Zeit bevor wir uns in die Schlange vor der Botschaft einreihten.

Wir waren schon leicht angenervt, weil wir wie gesagt keinerlei Technik mitnehmen durften und vorher im Internet gelesen hatten, dass die Wartezeit schon mal bis zu 6 Stunden betragen kann. Wie bitte???

Bei uns ging aber alles recht schnell. Einmal durch die Sicherheitskontrollen, dann am Schalter die Fingerabdrücke abgeben und wir durften uns zu den Wartenden gesellen. Das Interview hatten wir uns vorher schon in bunten Farben ausgemalt: in einem separaten Raum mit einem freundlichen oder nicht so freundlichen Beamten, der uns nach unserer Reise, Familiengeschichte, Bootspapieren und bestimmt auch nach unseren Anstellungsverhältnissen fragen würde.

Ganz so lief es nicht. Nach kurzem Warten wurden unsere Namen mit einigen anderen zusammen aufgerufen und wir stellten uns an Schalter Nr. 3 an. Der Beamte hinter der Scheibe fragte kurz ob wir ein Paar seien und warum wir in die USA wollten. Meine Antwort, dass wir in die USA und auf die American Virgin Islands von Europa aus segeln wollen war ihm schon fast zu ausführlich. Er tippte noch ein wenig auf seiner Tastatur, bedankte sich und sagte die Pässe kommen per Post. „Sollen wir uns noch mal setzen?“ – „Nein, nein, ihr könnt nach hause gehen.“ Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass der ganze Aufenthalt in der Botschaft nicht länger als eine halbe Stunde gedauert hatte. Lief doch gut!

Ohne Handys mussten wir dann eine Weile suchen um ein freies DriveNow-Auto zu finden mit dem wir zum Hotel zurück düsen konnten um unsere Sachen zu holen und ab zum Bahnhof. Da wir ja nicht wissen konnte wie lange der Termin in der Botschaft dauern würde konnte ich keine Rückfahrkarte nach Hamburg buchen. Spontan Bahn fahren ist leider nicht so günstig, aber half ja nix.

Ab jetzt hieß es abwarten. Ganz sicher waren wir uns nicht, dass wir die Visa bekommen würden. Überall in der Botschaft waren Zettel aufgehängt, dass es 7-10 Tage dauern würde bis der Visa-Antrag bearbeitet wäre. Umso überraschter waren wir also, als schon am nächsten Tag eine SMS und eine e-mail kamen, die uns verrieten, dass der Reisepass jetzt in der Post sei. Verdächtig schnell. Da ist bestimmt was schief gelaufen… Hatte der Beamte in der Botschaft gesagt, ob wir ein Visum bekommen? Vielleicht haben wir ihn doch falsch verstanden? So fix kann es nicht gehen, es sei denn die Visa wurden abgelehnt… Mist!

Am nächsten Tag kamen die Pässe schon an, also machte ich mich spannungsgeladen auf den Weg zum Briefkasten. Und siehe da: beide Visa waren genehmigt und sind nun 10 Jahre gültig. Jetzt hoffen wir nur noch, dass die Einreise auf den American Virgin Islands genauso entspannt abläuft. USA – wir kommen!

-Steffi

Werbeanzeigen

5 Gedanken zu „Das US-Visum – ein kleiner Ausflug in die Bürokratie“

  1. Hi!
    Gruß von der AKKA aus St. Vincent, nur mal so, um etwas Unwesentliches ins Netz zustellen…

    (Übrigens ist die Krassy nicht die schönste HR, die je gebaut wurde, um die Position bewirbt sich AKKA. Ach je, nein, ich hörte neulich von einem HR Fres-Besitzer, dass die Olle Enderleins ja alle furchtbar und überhaupt klobige Motorsegler seien. )
    Also, wir lieben unsere… Ihr Eure offensichtlich auch.

    Zum Thema US-Visum… ich glaube, vieles Im Netz ist wirklich übertireben wird, und dann kommt sicher dazu, dass man immer die Negativa hört.
    Wir haben uns ziemliche Gedanken zu diesem Thema gemacht, weil wir ja schon 11 Jahre unterwegs sind, Pass von der Botschaft in Kuala Lumpur mit Wohnort „Perak/Malaysia“, dachten wir, kommt in Zeiten der Travel Bans auch nicht gut – wir sind halt in D nicht mehr gemeldet.
    Bei uns ging es in Trinidad noch schneller als bei Euch, und wir konnten mit dem MaxiTaxi hinfahren, für einen schlappen Euro (aber auch eine Stunde Fahrt). Das Interviewverfahren war bei uns genau das gleiche wie bei Euch, nur dass die bearbeitende Frau Officer sofort sagte, dass die „visa approved“ seien…
    Rücksendung auch bei uns 4-7 Werktage, am nächsten Tag schon kam die Nachricht, dass die Pässe auf dem Weg seien.

    ABER… neulich trafen wir einen Deutschen, der einen riesigen Aufriss machte, weil sein Visaantrag weder in Barbados noch ebi einem neuen Versuch in Deutschland genehmigt wurde. „Die haben mich irgendwie getaggt!“ Im Gespräch stellte sich heraus, dass er bei erwerbstätiger Arbeit auf US-Territorium „erwischt“, wurde. Auf Yachten. Tja…

    Übrigens kann man auch auf ESTA-Basis einreisen, per Flug oder Fähre, dann erhält man nur 90 Tage und muss sein Schiff in dieser Zeit ins Territorium holen. Best bet: mit dem Schiff in die BVIs, mit der Fähre von Tortola nach St. John, wieder zurück und tags drauf auf eigenem Kiel einreisen. Wäre mir allerdings irgendwie zu „kitzelig“.

    Liken

    1. Hallo!
      Schön von euch zu hören!
      Wir hatten von dem BVI-Trick auch gehört, sind aber doch deutsch genug um lieber auf Nummer Sicher zu gehen… die Visa zu bekommen war einmal Aufwand, aber dafür haben wir die nächsten 10 Jahre Ruhe. Ob es mit der Einreise klappt haben wir noch nicht getestet, aber in den nächsten Tagen geht es für uns weiter Richtung VIs, dann werden wir sehen.

      Die Rassy 42 ist auch ein tolles Boot! Die alten Enderlein-Schätzchen haben eben einfach Charakter! Schön, dass ihr euer Schiff auch so sehr liebt! So muss es sein!

      Wir wünschen euch noch ganz viel Spaß in den Grenadinen und auf eurer weiteren Reise und natürlich immer eine Handbreit Wasser unterm Verklicker (oder wie war das noch?!)
      Viele Grüße von der Krassy-Crew!

      Liken

  2. Euch auch viel Spaß! Euer Jahr neigt sich ja schon dem Ende zu, oder?! Wir haben gerade beschlossen, die Ostküste der USA um eines zu verschieben. Rentner müsste man halt sein. Oder eben nicht. Wir wären gern früher losgefahren, nu‘ is‘ alles zu spät 😉

    Liken

Schreibe eine Antwort zu AKKA Too Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s