Der Gasfernschalter – Kochen auf Knopfdruck

Ich bin einer der wenigen Menschen, die gerne an Bord kochen. Bei Seegang ist es natürlich eine kleine Herausforderung, aber ich liebe es mit den limitierten Mitteln an Bord ein leckeres Essen zu zaubern. Zuhause bin ich glückliche Besitzerin eines Thermomix, der fast alles für mich quasi auf Knopfdruck macht, aber an Bord ist weniger eben manchmal mehr. Das gilt auch für die Zutatenlisten, da ist eben größer nicht immer besser und das Essen ist unterwegs meistens eher einfach gehalten.

In unserem letzten Urlaub vor der Reise hatten wir uns das Ziel gesetzt zu testen wie autark wir wirklich sind. Die Solarpaneele sollten Strom erzeugen, die Lichtmaschine war das Backup. Landstrom würden wir versuchen zu vermeiden. Tja, unser Backup fiel leider aus weil die Lichtmaschine gestreikt hat.

Die Gasflasche war nicht mehr ganz voll als wir gestartet sind und hat dementsprechend auch nicht lange gehalten. Wir wussten aber, dass wir noch eine zweite Gasflasche an Bord haben. Was wir nicht wussten war, dass die Zweit-Flasche schon angebrochen war. Was wir auch nicht wussten war wie viel oder wenig noch drin war… Da diese Flasche nicht wie üblich aus Stahl, sondern aus Kunststoff war hatten wir auch keine Möglichkeit zu prüfen wie hoch der Füllstand war.

In Skandinavien kann man übrigens deutsche Gasflaschen nicht tauschen. Die haben da einen andere Anschluss. Auch das wussten wir nicht. Man sieht also, wir waren ganz schön ahnungslos…

Unsere wunderbare autarke Welt hatte also ein paar Risse. Wir mussten gelegentlich doch Landstrom legen um die Batterien zu laden (der Windgenerator war zu dem Zeitpunkt noch kein Familienmitglied) und beim Kochen waren wir nie ganz sicher ob nicht mittendrin das Gas leer wird.

Aufwändige Gerichte haben wir uns also gespart und nach Möglichkeit kalt gegessen. Wraps, Salate, Müsli. Man kann auch ohne Herd lecker kochen. Immerhin haben wir ein paar nette neue Rezepte entdeckt.

Da uns das Thema „Gasknappheit“ auf der Reise natürlich beschäftigt hat haben wir auch Carla und Karsten, unseren neuen Segelfreunden, davon erzählt. Die beiden haben wir in Kalmar kennengelernt und wir waren uns alle gleich sympathisch! Die zwei hatten früher auch eine HR 352 bevor sie auf ein größeres Modell umgestiegen sind und weil wir offenbar den gleichen Bootstyp bevorzugen und zwischen den ganzen Segelrentner immer die letzten waren die den Hafen verließen (auch unsere neuen Freunde schlafen gern aus), hat irgendwie alles gepasst. Bei ausgiebigen Gesprächen unter Langfahrt-Begeisterten haben wir jede Menge tolle Tipps für unsere Reise bekommen.

Und irgendwann fiel das magische Wort: Gasfernschalter

Was ist das denn? Eine tolle kleine Erfindung: Man baut einen kleinen Regler direkt hinter den Druckminderer der Gasflasche, der mit einem Schalter verbunden ist. Den Schalter kann man in der Nähe der Pantry verbauen. Will man die Gasflasche öffnen betätigt man einfach den Schalter und der Regler öffnet mit Hilfe eines kleinen Magneten die Flasche. So lange der Regler offen ist wird Strom gezogen, im geschlossenen Zustand verbraucht der Gasfernschalter nichts.

Würde man also vergessen die Gasflasche zu schließen bevor man von Bord geht schließt sie automatisch wenn man den Bordstrom ausschaltet.

Bei unserer Hallberg-Rassy sind die Gasflaschen im Ankerkasten untergebracht und nicht wie bei den meisten anderen Booten üblich im Heck. Durch das Mittelcockpit ist hinten kein Platz. Der Vorteil ist, dass hier eine Belüftung und ein Auslass kein Problem sind. Allerdings werden die Gasflaschen ständig mit Seewasser geduscht. Die Stahlflaschen finden das meist nicht so toll. Außerdem musste man ständig aus dem Cockpit klettern, nach vorn laufen und hing kopfüber im Ankerkasten bis man die blöde Flasche aufgedreht hatte. Besonders viel Platz ist nämlich nicht und unterwegs sind auch noch die Fender oben drauf gestopft.

Der Gasfernschalter kam also unbedingt auf unsere Must-Have-Liste für die Reise. Könnte aber ein größeres Bauprojekt werden, immerhin müsste das Kabel vom Ankerkasten einmal der Länge nach durch das halbe Boot bis in die Pantry verlegt werden. Dafür müssten wir alles auseinanderbauen.

So viel zur Theorie. In der Praxis war der Einbau erstaunlich einfach. Ein Kabelkanal verlief genau auf dem Stück auf dem wir das Kabel legen wollten. Also einfach durchschieben, Stecker einbauen, alles richtig verkabeln und den Regler zwischen Schlauch und Druckminderer anschrauben.

Der Gasfernschalter ist ein kleines Wunderwerk der Technik und eine großartige Erleichterung im Bootsalltag! Vielen Dank noch mal an unsere Freunde Carla und Karsten für den super Tipp!

gfs
Der fertig montierte Schalter

Ach übrigens: Die Kunststoff-Gasflasche ist ein wahres Füllhorn und eine Saison später nach ausgiebiger Nutzung noch immer nicht leer…

-Steffi

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