Der Windpilot – unser neuer bester Freund Harald

Woran erkennt man eine Langfahrt-Yacht?

Ganz einfach: diese Boote sind in den meisten Fällen ein bisschen vergammelter als die Standard-Hochglanz-Yacht, alles an Bord ist irgendwie mit Kram vollgestopft und nicht immer, aber fast immer hat sie am Heck so einen komischen hochgeklappten Spaten oder eine merkwürdig unförmige, feste Fahne angebracht. Dieses Ding ist die Windsteueranlage und wahrscheinlich der beste Freund des Langfahrtseglers.

Man stelle sich vor man ist mitten auf dem Atlantik, steuert das Boot, von hinten bläst der Passatwind, die Sonne scheint. Herrlich. Aber plötzlich drückt die Blase und das andere Crewmitglied ist gerade beschäftigt. Man kann den Steuerstand nicht verlassen damit das Boot nicht versehentlich Kurs auf Argentinien nimmt. Tja, blöd.

Wäre doch toll, wenn man sich gar nicht erst an den Steuerstand begeben müsste und einfach den Autopiloten die Arbeit machen lassen könnte… Auf einem 3-wöchigen Seestück durchgehend zu steuern ist wahrscheinlich das langweiligste was man sich nur vorstellen kann.

Der Voreigner der Krassy hatte schon erkannt, dass auch auf kürzeren Passagen ein Auto-Pilot eine feine Sache sein kann und einen kleinen Servo installiert. Das gute Stück, wir nennen ihn Helmut, wird mit einem Riemen am Steuerrad eingehängt, während man über eine Steuereinheit den ungefähren Kurs einstellt. Der Servo dreht dann über den Riemen am Steuerrad und korrigiert so den Kurs ständig nach. Prinzipiell eine schöne Sache, es gibt aber leider ein paar Nachteile: 1. Das Ding macht einen wahnsinnig! Der Servo macht permanent ein nervtötendes Quietschgeräusch, das man nur erträgt, wenn ohnehin der Motor läuft. 2. Die Steuerung ist sehr ungenau und schwierig einzustellen. Bei mittlerem bis starkem Wellengang steigt Helmut aus und steuert irgendwelchen Blödsinn, aber nicht den eingestellten Kurs. 3. Der Autopilot verbraucht im Betrieb Strom und Strom ist immer knapp. 4. Auf der Überführung aus dem Winterlager hat Helmut die Grätsche gemacht… mal schauen, ob wir ihn repariert bekommen, ist ja auch nicht mehr der Jüngste…

Schon ganz zu Anfang unserer Planung war also klar: wir brauchen eine Windsteueranlage. Das sind die besagten komischen Spaten am Heck. Die verschiedenen Windsteueranlagen funktionieren nach einem relativ einfachen System.

Man hat hinten am Heck einen Flansch von dem aus ein kleines Pendelruder ins Wasser gelassen wird. Oben am Pendel befindet sich eine Windfahne, die man im gewünschten Winkel zum Wind ausrichten kann. Das Ganze ist mit einer Leinenführung über das Heck mit einem Adapter am Steuerrad oder der Pinne befestigt.

So lange der Wind auf die schmale Seite der Fahne aufkommt steht der Windpilot still. Dreht sich das Boot durch Kursänderung aber so, dass die Fahne seitlich angestrahlt wird gibt das Pendel entsprechend leicht nach, wodurch auch das Pendelruder im Wasser ausschlägt. Dadurch wird auf einer Seite an den mit der Steuerung verbundenen Leinen gezogen und somit der Kurs korrigiert bis der eingestellte Winkel zum Wind wieder erreicht ist. Einfach gesagt, die Windsteueranlage hält das Boot permanent auf dem gewünschten Kurs bezogen auf den Wind. Dreht allerdings der Wind kann es natürlich passieren, dass man plötzlich in die völlig falsche Richtung unterwegs ist…

Windsteueranlagen gibt es von verschiedenen namhaften Anbietern und wie immer haben alle Vor- und Nachteile. Nach langer Recherche und vielen Abwägungen haben wir uns für den Windpilot Pacific entschieden.

Hier ist der Flansch relativ klein und stört nicht am Heck, außerdem ist die Anlage übersichtlich und kompakt und war preislich zu verschmerzen. Der Windpilot Pacific Plus ist der große Bruder und sicher auch eine schöne Sache. Diese Variante hat sogar ein eigenes Ruder und dadurch nicht die Leinenführung über das Heck, allerdings lag der Pacific Plus nicht in unserer Preisklasse und kam uns für die Krassy auch ein wenig zu groß vor. Ein weiteres Argument für einen Windpilot für uns war, dass wir das gute Stück ganz einfach bei Peter Förthmann in Hamburg abholen konnten.

Wir haben uns also von DriveNow ein Auto geliehen und sind einmal durch die Stadt zur Abholung gefahren. Zusätzlich zu unserem neuen Windpiloten bekamen wir auch noch eine ganze Menge gute Tipps für die geplante Reise, einige spannende Geschichten über das Langfahrtsegeln und einen liebevoll zubereiteten Kaffee. Leider hatten wir zum ersten mal so ein Car-Sharing-Auto und haben den Wagen offenbar nicht korrekt in den Parkmodus versetzt, sodass unser 3-stündiger Plausch am Ende ein wenig teurer als geplant ausfiel. Naja, Lehrgeld…

Beim folgenden Auswintern sollte unsere neue Errungenschaft nun angebaut werden. Weil der Windpilot mittig am Heck sitzen sollte mussten wir als erstes die Badeleiter versetzen. Das hieß, es mussten eine ganze Menge Löcher ins Boot gebohrt werden. Christian hat dabei Blut und Wasser geschwitzt, aber es ist alles gut gegangen und auch der Einbau war erstaunlich einfach. Also konnten wir den Windpilot auf der Fahrt in den Heimathafen direkt testen. Nachträglich haben wir für die Leinenführung noch ein Auge im Süll gesetzt. Damit die Leinen nicht scheuern und weder dem Traveller noch jemandem der in der Plicht sitzt im Weg sind haben wir das Auge mit einem kleinen Teak-Block erhöht angebracht.

Und weil bei uns alle Geräte einen Namen haben (der Staubsauger heißt Manfred, die Kaffeemaschine Gina usw.) musste auch der Windpilot getauft werden. Die Wahl fiel uns leicht und ab sofort war Harald Teil unserer kleinen Familie.

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Harald steuert und Steffi passt auf
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Guter Mann, der Harald!

Tatsächlich funktioniert das Steuern mit dem Windpiloten so einwandfrei, dass wir Harald mittlerweile direkt einhängen sobald wir den Hafen verlassen haben und der Kurs feststeht. Einzig bei sehr schwachem Wind von achtern läuft es manchmal nicht ganz so rund, aber ansonsten ist das System sehr ausgeklügelt und wenig störanfällig. So kann man dann auch das Segeln richtig genießen!

Und unsere kleine Krassy ist jetzt ein echtes Langfahrtboot!

-Steffi

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