Die Plichtpolster – my Home is my Krassy

Manchmal gibt es so Produkte, die allgegenwärtig sind. Ist man mit seinem Segelboot in deutschen Häfen oder im Einzugsgebiet deutscher Segler unterwegs trifft man sie immer wieder: die Kapok-Kissen. Als Einzel- oder Doppelkissen, in blau oder in rot. Fast jede Segelyacht in unseren Breitengraden fährt diese Kissen durch die Gegend. So auch wir.

Und manchmal gibt es eben auch so Produkte, da fragt man sich, warum kauft die eigentlich jeder? Zum Beispiel diese Kissen.

Unsere sind, bis auf ein neueres, alle sehr ausgeblichen. Außerdem sind sie wahnsinnig wabbelig, sodass die Rückenlehne ständig runterrutschen wenn man sich dagegen lehnen will. Irgendwie sind die blöden Kissen immer im Weg und wenn man es kurzzeitig geschafft hat sich auf eins draufzusetzen, findet man sich kurze Zeit später doch wieder mit dem Hintern auf blankem Holz statt auf dem weichem Polster.

Da die Plicht im kommenden Jahr quasi unser Wohnzimmer sein wird musste also eine bessere Lösung her! Am liebsten wollte ich flache Schaumstoffauflagen haben, die man an den Sitzbänken befestigen kann. Die wären zwar nicht super-weich, aber sie würden ausreichend polstern, nicht allzu viel Platz wegnehmen und vor allem nicht wegrutschen.

Ein wichtige Frage war aber, wie man die Polster an den Bänken befestigen sollte. Leider kann man unsere Bänke nicht hochklappen obwohl sie auf einigen Leisten montiert sind, sodass unter den Bänken das Wasser abfließen kann wenn es in die Plicht regnet.

Die Leisten waren die Lösung! Ich wollte vorne auf die Leisten unter den Bänken Druckknöpfe anschrauben und die Gegenstücke an kurzen Bändchen an die Polster nähen. Vorne könnte man die Polster also leicht befestigen. Nach hinten ist es etwas schwieriger. Hier kommen wir nicht drum herum von oben Druckknöpfe in die Bänke zu schrauben. Die können wir aber so setzen, dass sie nicht stören wenn man ohne Polster auf der Bank sitzt. Gerne hätten wir die Druckknöpfe einfach in die Pfropfen der Bänke gesetzt, aber das geht leider nicht. Die Pfropfen sind dafür viel zu kurz. Damit kein Wasser oben in den Druckknöpfen steht können wir die Köpfchen mit Sika ausfüllen. Die Funktion wird nicht beeinträchtigt und es bleibt alles trocken. Das Polster für den Backskistendeckel wollte ich so befestigen, dass man den Deckel noch öffnen kann ohne erst alles herunternehmen zu müssen. Hier habe ich die Druckknöpfe also einfach von unten angeschraubt.

Schaumstoffe bekommt man mittlerweile im Baumarkt, man muss sich nur entscheiden welche Dicke man braucht. Ich habe mich letztenendes für 30 mm entschieden. Weich genug, kann man aber noch gut verstauen wenn man die Polster nicht braucht.

Der Bezugsstoff war schon schwieriger. Da es lange Zeit mein Beruf war Textilien zu prüfen habe ich natürlich gewisse Ansprüche… Wasser- und wenn möglich auch schmutzabweisend sollte er sein. Dann natürlich sehr scheuerbeständig, lichtecht und wenig anfällig gegen Pilling. Naja, und noch ein paar andere Sachen… Blau sollte er übrigens auch sein.

Am einfachsten sucht man in diesem Fall nach einem Outdoor-Bezugsstoff. Interessanterweise bot hierzu ebay die größte Auswahl. Von einem Händler konnte ich mir Stoffabschnitte als Proben zusenden lassen, also suchte ich mir einige Varianten heraus. Einer davon passte fast perfekt, außer dass er eher mittel- als dunkelblau war. Macht nichts, dann heizt er sich in der Sonne vielleicht nicht so auf. Ich bestellte gleich 6 Meter und hoffte inständig, dass ich richtig gewählt hatte.

Während ich also auf den Stoff wartete konnte ich schon mal den Schaumstoff zuschneiden. Die frisch überarbeiteten Plichtbänke standen ja noch zuhause rum und dienten nun als Schablonen. Mit einer normalen Küchenschere ließ sich das Material auch ganz gut zuschneiden. Reißverschlüsse und Edelstahl-Druckknöpfe hatte ich schon bestellt.

Als der Stoff ankam konnte es also losgehen.

Die Schaumstoffzuschnitte konnte ich nun wiederum für den Stoffzuschnitt als Schablonen verwenden. Rund herum musste ich noch ein bisschen was zugeben damit die Polster nachher nicht durch den Bezug zusammengedrückt würden. In die hinteren langen Kanten nähte ich die Reißverschlüsse ein, so kann man wenn nötig später mal die Schaumstoffe austauschen oder den Bezug zum Waschen abnehmen. Die Ecken musste ich noch abnähen und in den vorderen Kanten an der jeweils richtigen Stelle die Bändchen für die Druckknöpfe einnähen. Klingt alles ganz einfach, hier und da musste sich Christian aber einiges Geschimpfe von mir anhören…

pp1
Stoffzuschnitt

Passend zu den Bänken sollte es aber auch noch 2 Kissen geben, die man sich in den Rücken legen kann wenn man sich anlehnen will. Dadurch dass unsere Ablagen unter der Sprayhood etwas überstehen hat man jedes Mal eine harte Kante im Rücken wenn man sich anlehnt. Da halfen auch die alten Wabbel-Kissen nicht.

Die erste Idee war die Kissen ebenfalls aus Schaumstoff zuzuschneiden und zwar so, dass sie eine Aussparung für die Kante haben. Theoretisch eine gute Idee, aber schwierig in der Umsetzung. Erstens waren dickere Schaumstoffblöcke schwer zu bekommen und zweitens habe ich nicht das Equipment um sie in die richtige Form zurechtzuschneiden.

Ich habe also erstmal die Bezüge genäht und zwar so, dass man ein keilförmiges Kissen mit besagter Aussparung bekommt. Tja, und dann habe ich recycelt! Die alten, ausgeblichenen Kapokkissen mussten leider sterben, wurden aber zu einem neuen und besseren Leben erweckt… Die Füllung ist doch super geeignet und reichlich vorhanden.

Habt ihr schon mal ein Kapok-Kissen aufgeschnitten??? Wenn nicht, dann rate ich dringend davon ab! Das ist eine unfassbare Schweinerei! Die Füllung staubt wie wahnsinnig und fliegt überall herum. Das Zeug lässt sich kaum bändigen. Ein Glück habe ich mich zum Umfüllen mit meinen Kissen auf den Steg begeben. Beim ersten Kissen hatte ich nur eine relativ kleine Öffnung zum Befüllen gelassen und dementsprechend viel Zeit gebraucht bis das Kissen voll genug war, beim zweiten hatte der Lerneffekt eingesetzt und das Befüllen ging etwas schneller.

Die Kissen sind super geworden! Leider fallen sie doch noch ein kleines bisschen zusammen, sodass man sie vor der Kante besser aufrecht hinstellt und sich dann daran lehnt, aber durch die Keilform kann man sie auch super als Kopfkissen verwenden wenn man sich mal auf die Bank legen will. Unsere Plicht ist jetzt richtig gemütlich geworden!

Das hellere Blau für den Bezugsstoff war übrigens eine sehr gute Wahl. Die Farbe passt perfekt zu den Polstern im Salon und macht die Plicht auch mit Kuchenbude hell und freundlich, und obwohl er etwas heller ist, ist der Stoff sehr unempfindlich und wird nicht gleich schmutzig, auch wenn man mal darauf tritt.

Mit einer so gemütlichen Plicht dürfen die langen Seestück nun gern kommen!

-Steffi

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