Die Reiseapotheke – für alle Weh-Wehchen was dabei

„Was macht ihr eigentlich wenn ihr mitten auf dem Atlantik seid und es kriegt jemand Magen-Darm?“

Diese Frage wurde schon erstaunlich häufig gestellt, meist begleitet von einem verhohlenen, aber listigen Grinsen. In solchen Momenten schimmert auch gern ein bisschen Schadenfreude durch, aber damit können wir leben.

Tja, die Frage mag berechtigt sein oder auch nicht. Die meisten Krankheiten brauchen einen Auslöser und mitten auf dem Atlantik sind wir eigentlich fern ab von den meisten Krankheitsherden (Kinder zum Beispiel ;-)).

Trotzdem besteht natürlich die Gefahr, dass einer oder beide von uns sich mal verletzen oder krank werden und sei es nur eine Erkältung, ein Sonnenbrand oder ein fieser Mückenstich. Verletzungen sind auch nicht unwahrscheinlich. Kleinere Schnitte oder blaue Flecke gehören zum Alltag an Bord. Natürlich hoffen wir, dass nichts größeres passiert, aber wer weiß. Und wenn, wären wir natürlich gern möglichst gut vorbereitet.

Ich habe also nach und nach angefangen mich mit dem Thema Reiseapotheke zu beschäftigen und schnell festgestellt: Dieses Thema ist gefährlich!

Wenn man google fragt was eigentlich so alles in eine Reiseapotheke gehört stößt man auf jede Menge schauderhafte Geschichten, Ratschläge und Belehrungen. Es gibt Listen von Dingen die man unbedingt braucht, von denen man allerdings noch nie im Leben etwas gehört hat…

Über mehrere Wochen habe ich mir also mühsam alles zusammengesucht, was es an Informationen im Internet gab und an verschiedenen Stellen Ratschläge eingeholt. Dann galt es zu filtern und eine eigene Liste zusammenzustellen.

Ich habe mich an einen eher pragmatischen Ansatz gehalten und versucht eine überschaubare aber sinnvolle Kombination aus Medikamenten und Verbandszeug zusammenzustellen. 2 Regeln habe ich dabei beachtet:

  1. Alltagsmedikamente die wir zuhause nicht brauchen werden wir wahrscheinlich unterwegs auch nicht brauchen.
  2. Wenn wir es nicht anwenden können dann brauchen wir es auch nicht mitzunehmen.

Regel 1 mag sicher vom einen oder anderen in Frage gestellt werden, wir kennen uns selbst aber mittlerweile sehr gut und da ich als Tochter eines HNO-Arztes aufgewachsen bin, bin ich zuversichtlich, dass wir eine Erkältung oder andere leichte Erkrankungen mit den üblichen Mitteln auch unterwegs gut behandeln können. Darüber hinaus haben wir natürlich auch mit etwas stärkeren Schmerzmitteln, Beruhigungsmitteln und einem Breitbandantibiotikum für ernstere Fälle vorgesorgt.

Regel 2 nimmt sehr viel Druck aus dem Thema. Im Internet bin ich auf viele Listen von alt eingesessenen Langfahrtseglern gestoßen, die Dinge enthalten wie Intubationsbestecke, chirurgische Wundklammerapparate oder Blasenkatheter. Nichts davon könnte einer von uns anwenden, auch nicht im Ernstfall, egal wie viele Folgen Grey’s Anatomy oder Emergency Room wir uns schon angesehen haben. Im Zweifelsfall würden wir wahrscheinlich mit solchen Gerätschaften mehr Schaden als Nutzen anrichten. Die verschiedenen Ärzte und Apotheker mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe rieten ebenfalls dringend davon ab solche Instrumente ohne entsprechende Schulung einzusetzen.

Hinzu kommt, dass viele von den genannten alt eingesessenen Langfahrtseglern eben auch ein wenig älter sind als wir (was natürlich nicht bedeutet, dass wir nicht krank werden können! ). Dementsprechend enthielten die Medikamentenlisten auch einige Dinge die man nur braucht wenn bereits eine entsprechende Vorerkrankung vorliegt.

Irgendwo hatte ich sogar einen Hinweis gelesen, dass eine sinnvolle Reiseapotheke leicht mehrere Tausend Euro kosten kann…. Das fand ich ein wenig übertrieben!

Unsere Bordapotheke habe ich etwas aufgeteilt. Verbandsmaterial und Medikamente sollten getrennt voneinander aufbewahrt werden. Beides habe ich dann noch mal unterteilt in Alltags- und Notfallbedarf. Diese Trennung hat sich allerdings nur dadurch ergeben, dass ich keine geeigneten Aufbewahrungsboxen in der richtigen Größe finden konnte. Am Anfang gefiel mir das nicht, aber eigentlich ist es sehr praktisch so.

In den „Alltagsboxen“ befinden sich beim Verbandsmaterial einfache Pflaster und kleine Verbandpäckchen und bei den Medikamenten alles gegen Erkältungen, leichte Schmerzen, Sodbrennen oder kleinere Verletzungen. Die „Notfallboxen“ sind ausgestattet mit Rettungsdecke, Wundklebeset, Kompressen, Brandwundenverbänden etc. sowie bei den Medikamenten mit starken Schmerzmitteln, Antibiotika, Beruhigungstabletten, Rehydratlösung und so weiter.

Insgesamt umfasst unsere Bordapotheke folgendes:

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Wie man sieht, konnte ich es natürlich auch wieder nicht lassen eine fein säuberliche Inventarliste für den Erste-Hilfe-Kasten und die Medikamentenvorräte zu erstellen. So kann man auf einen Blick sehen was da ist, und vor allem wie lange es noch haltbar ist.

Hierzu gehört jeweils noch ein kleines Heftchen, das den Boxen beiliegt und in das man für jedes Medikament oder Verbandsstück die Entnahme einträgt. So vermeiden wir die Situation im Notfall feststellen zu müssen, dass doch etwas fehlt weil es jemand aufgebraucht hat.

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Die Inventarlisten

Dem Verbandbuch habe ich sogar noch eine Erste-Hilfe-Anleitung von der DGUV (Deutsche Unfallversicherung) aus dem Internet angehängt.

Damit alles gut verstaut ist habe ich die Medikamente aus den Pappverpackungen genommen und zusammen mit dem Beipackzettel jeweils in kleine Zipperbeutel verpackt. Die wiederum habe ich von außen deutlich beschriftet. So kriegt man alles gut verstaut und sollte doch mal was feucht werden sind die Beutel ein guter Schutz.

Die Boxen habe ich natürlich auch gekennzeichnet damit man sofort sieht worum es sich handelt.

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Die gesamte Reiseapotheke

Jetzt hoffen wir bloß, dass diese Arbeit umsonst war und wir von Krankheiten und Verletzungen verschont bleiben!

-Steffi

verbandszeug
Verbandszeug
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