Die Sprayhoodknöpfe – verdammte Amateure!

Eines der ersten Dinge die man lernt wenn man ein Boot hat ist die Sache mit der Kontaktkorrosion. Als „normaler“ Nicht-Bootseigner ist das ein Thema, mit dem man sich wahrscheinlich nie im Leben beschäftigen würde. Wenn man ein Boot pflegt, kann es einem aber jede Menge Kopfschmerzen bereiten.

Ich fange mal ganz von vorne an. Es gibt edlere Metalle wie Edelstahl (sagt schon der Name) und unedlere Metalle wie beispielsweise Aluminium oder Kupfer. Wenn die verschieden edlen Metalle in Kontakt kommen kann es passieren, dass geringe Mengen Strom fließen, vorausgesetzt es ist ein leitendes Medium wie beispielsweise Wasser anwesend. Diese Kriechströme führen dazu, dass sich das weniger edle Metall langsam zersetzt und zu einer krümeligen, salzartigen Masse wird, Korrosion. Je größer die Differenz zwischen den Metallen, je höher der Salzgehalt im Wasser und je höher die Temperatur, desto stärker und schneller die Korrosion.

Als leitendes Medium reicht es meist aus, wenn eine leicht erhöhte Luftfeuchtigkeit vorhanden ist, was am Boot mehr oder weniger immer der Fall ist. Gleiches gilt für einen mehr oder weniger hohen Salzgehalt.

Möchte man also möglichst lange etwas von seinem Boot haben, sollte man tunlichst vermeiden zwei unterschiedlich edle Metalle in dauerhaften Kontakt zu bringen. An einigen Stellen wo Kriechströme unvermeidlich auftreten, wie zum Beispiel den Propellern kann man so genannte Opferanoden aus Zink anbringen. Die sind nur dazu da zu korrodieren und fangen sozusagen die Kriechströme ab. So kann man verhindern, dass wichtige Bauteile beschädigt werden und statt dessen nur die angebrachten Zinkklumpen durch die Korrosion zerfressen werden.

Ganz besonders wichtig sind Opferanoden zum Beispiel bei Aluminiumschiffen. So unheimlich es ist, aber hier reicht es schon aus, dass unbemerkt eine Hand voll Stahlschrauben in die Bilge fallen und direkten Kontakt mit dem Aluminiumrumpf haben und man hat unter der Wasserlinie Löcher im Boot. Ein Glück ist unsere Krassy ein GFK-Boot!

Trotzdem sind natürlich auch wir nicht ganz gefeit vor dem Problem der Kontaktkorrosion.

Die Krassy hat eine feste Windschutzscheibe vor dem Cockpit. Hier ist oben die Sprayhood befestigt, sodass man sich bei schlechtem Wetter gut verkriechen und trotzdem alles im Blick behalten kann.

Der Rahmen der Windschutzscheibe ist aus Aluminium. In den Rahmen hat ein offenbar ahnungsloser Segelmacher für einen der Voreigner kleine Drehknöpfe eingeschraubt, mit denen die besagte Sprayhood befestigt ist. Die Drehknöpfe sind nämlich aus Edelstahl und liegen direkt auf dem Alu auf.

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Sprayhoodknopf im Originalzustand

Um besagtem Segelmacher nicht zu nahe zu treten: Ja, die Drehknöpfe gibt es nur aus Edelstahl oder Kunststoff. Kunststoff wäre zu instabil und außerdem nicht in der passenden Größe verfügbar. Was allerdings katastrophale Folgen hat ist, dass die Edelstahlknöpfe vollständig auf dem Rahmen aufliegen ohne eine Isolierschicht.

Ständiger Kontakt mit teilweise sehr sehr salzhaltigem Wasser hat also im Laufe der Zeit zu erheblichen Korrosionsschäden geführt.

Unter den Knöpfen haben sich teilweise tiefe Krater ins Alu gefressen und einige der Knöpfe lassen sich durch die Korrosionsbrocken kaum noch drehen. Von außen sieht man hiervon verhältnismäßig wenig, aber die ersten Knöpfe sind uns bereits entgegengefallen und unten drunter erkennt man dann den Schaden sehr eindeutig.

Die Knöpfe mussten also isoliert werden.

Optimistisch wie ich so bin hatte ich also geplant die vorhandenen Knöpfe einfach abzuschrauben, zu reinigen und dann mit einer Schicht Kunststoff zum Isolieren wieder anzubringen. Als Schutzschicht wollte ich einen Streifen Gummimatte verwenden, der mir in der Verpackung unseres Dinghys entgegen gefallen war. Das Material war nur zum Schutz eingelegt, damit man beim Aufschneiden der Verpackung nicht versehentlich ins Dinghy schneidet und es eignete sich perfekt für mein Vorhaben.

Tja, und wie immer war es aber doch nicht so einfach wie gedacht… Das zeigt sich schon daran, dass sich einige Schrauben kaum lösen ließen und wenn man nicht höllisch aufpasste die Schraubköpfe abbrachen. Unter den Knöpfen zeigte sich, dass hier und da sogar schon mehrere abgebrochene Schrauben im Alu steckten.

Die Korrosion hatte außerdem nicht nur das Alu angefressen, sondern teilweise auch schon die Drehknöpfe beschädigt.

Ich habe also neue Knöpfe bestellt und passende Schrauben gekauft. Man kommt übrigens an dieser Stelle auch mit einer Isolierung nicht ganz um einen Materialkontakt herum. Die Schrauben sind aus Edelstahl, alles andere funktioniert nicht. Aluschrauben wäre viel zu weich und hätten wiederum ebenfalls Kontakt mit den Stahlknöpfen, ein bisschen Kontakt muss man also in Kauf nehmen.

Nachdem ich alle Knöpfe abgeschraubt hatte musste ich so gut es ging die Korrosion vom Alu bürsten. Hierfür habe ich meinen Proxxon mit einem Drahtbürstenaufsatz verwendet. Das ging ganz gut, zu 100% bekommt man die weißen Brocken aber nicht ab.

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Runter mit dem alten Kram…

Die freiliegenden Krater waren so tief, dass ich sie zunächst wieder mit einem Aluminiumspachtel auffüllen musste. Die Spachtelmasse funktioniert ziemlich gut und ist innerhalb von 30 Minuten schleifbar, man muss sich aber ganz schön sputen weil innerhalb von ein paar Minuten alles anfängt fest zu werden. Außerdem ist das Zeug glaube ich ziemlich giftig, man sollte die Dämpfe also möglichst nicht einatmen bevor alles getrocknet ist…

Nach dem Schleifen kann man zwar noch sehen wo die Spachtelmasse aufgetragen war, aber die Fläche ist wieder glatt und fest und es sieht allemal besser aus als vorher.

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Frisch gespachtelt und abgeschliffen

Mein Isoliermaterial vom Dinghy habe ich so zugeschnitten, dass es ein bisschen größer ist als die Drehknöpfe und mit einer Lochzange die Löcher für die Schrauben vorgestanzt. Da ich alles verspachtelt hatte waren natürlich die alten Bohrlöcher nicht mehr nutzbar und einfach die Schrauben ins Aluminium zu drehen ist selbst für Herkules nicht möglich. Half nix, ich musste vorbohren.

Da ich einen sehr kleinen Bohrkopf brauchte kam wieder der Proxxon zum Einsatz. Manche Löcher ließen sich absolut problemlos bohren, an anderen bin ich fast verzweifelt! Vor allem an den Ecken des Rahmens kam ich zuerst kaum mit dem Bohrer durch das Alu und dann ließen sich die Schrauben nicht richtig einschrauben. Schon beim Eindrehen mit wenig Kraft brachen doch tatsächlich die neuen Stahlschrauben ab…

Wildes Gefluche über den Dilettanten, der Edelstahl und Alu in so engen Kontakt gebracht hatte halfen leider auch nicht.

Nachdem wir dann noch ein paar neue Schrauben nachgekauft und die Rückstände der abgebrochenen Schrauben erfolgreich rausgepult haben, waren dann doch am Ende alle Knöpfe fertig montiert. Bis auf einen. Aber das ist ein anderer Blogbeitrag.

-Steffi

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