Bloß nicht baden gehen. Wenn aber doch, dann vorbereitet.

Eine Mann-über-Bord-Situation ist wohl knapp hinter dem Totalverlust des Schiffs das gefährlichste Ereignis, das beim Segeln auftreten kann. Ein Großteil der tödlichen Segelunfälle geht auf eine MOB-Situation zurück. Erschreckenderweise gibt es auch viele Unfallberichte von erfahrenen, gut bemannten Crews, die sofort reagierten und den über Bord gegangenen Kameraden trotzdem nur noch tot bergen konnten (oder gar nicht). Da kann es einem schon Angst und Bange werden, vor allem, wenn man daran denkt, dass wir ja nur zu zweit unterwegs sind.

Es kann also nur eine goldene Regel geben: Es geht keiner über Bord. Aber was, wenn es dann trotz Anschnallpflicht und aller Sicherheitsvorkehrungen doch einmal passiert? Hier haben wir zwei zentrale Aspekte identifiziert, die wir als absolut wichtig erachten:

1.) Keiner geht unbemerkt über Bord. 

Wenn wir länger auf See sind, wird es sich nicht vermeiden lassen, dass mal einer oben Wache geht und einer unten schläft, liest, kocht oder sonstwas macht. Wenn der Wachgänger über Bord geht ohne, dass es der andere mitbekommt, gehen die Chancen gegen Null, denjenigen wiederzufinden. Wir brauchen also eine Alarmierung, sobald dieser Fall eintritt. Dafür gibt es auch eine Reihe von Produkten, die Mann oder Frau bei sich trägt, und die z.B. einen Alarm über AIS oder DSC auslösen, sobald der Träger baden geht. Die hat man z.B. an der Rettungsweste, oder in der Tasche. Und die funktionieren auch sehr gut, wenn man denn auch die Weste trägt oder die Jacke, in dessen Tasche sie stecken. Wir haben uns viele Produkte angeschaut und festgestellt, dass sie sicher sinnvoll sind, aber auch eine ganze Stange Geld kosten. Für uns ist der wichtigste Punkt die eigene Alarmierung. Wir wollen nicht gleich den ganz großen Bahnhof starten (mit automtischem Notruf, SART, usw), allein schon deswegen, weil man solche Systeme nicht einfach mal testen kann, ohne jede Funkstelle im Umkreis von 25sm aufzuschrecken.

So stolperten wir auf unseren Recherchen über eine junge Firma aus Frankreich (Sea Tags), die das für uns ideale Produkt anbietet: Mann-über-Bord Armbänder. Das sind Armbänder, bisschen größer als eine Armbanduhr, die über eine Bluetooth-Verbindung mit einem oder mehreren Smartphones / Tablets an Bord verfügen. Sobald die Verbindung zu einem der an Bord befindlichen Armbänder abbricht, wird ein Alarm ausgelöst. Einfach und zuverlässig. Das Smartphone haben wir sowieso immer in der Tasche, allein schon wegen der AIS-Lage. So geht keiner unentdeckt über Bord, und sofort können entsprechende Maßnahmen starten.

2. Zeit gewinnen.

In einer MOB-Situation muss einer allein mit dem Boot klarkommen, Manöver fahren, eventuell Segel einholen, den Motor starten, die Orientierung behalten, den Überbordgegangenen im Blick halten, und das alles gleichzeitig, und zwar möglichst ohne dabei in Panik zu geraten. Das ist schon eine Aufgabe. Schnell hat man sich dabei bisschen vom Unglücksort entfernt, was das Auffinden der Person über Bord umso schwieriger macht. Wir legen also Wert auf ein Rettungssystem, dass für beide Parteien etwas Druck herausnimmt und Zeit beschafft. Auf der letzten Bootsmesse in Düsseldorf fanden wir dann auch etwas, was zwar sauteuer war, uns aber in dieser kritischen Situation Zeit verschafften und etwas Druck herausnehmen kann.

Es handelt sich um eine selbstaufblasende MOB-Plattform, den JonBuoy Mk5 von Ocean Safety. Es gibt eine ganze Reihe von aufblasbaren Krägen, Markierungsbojen usw, die aber alle den Nachteil haben, dass der Überbordgegangene im Wasser verbleibt und allein dadurch schon schlechter sichtbar ist. Der JonBuoy ist vielmehr ein MOB-Floß, mit großer Markierungsfahne, auf das sich der Überbordgegangene retten kann. Dies hat einerseits den Vorteil, dass das Panikpotenzial geringer ist, wenn man halbwegs auf dem trockenen sitzt, und sich das Schiff vielleicht etwas entfernt, andererseits nimmt es demjenigen an Bord etwas Druck heraus, wenn er weiß, dass der andere sicher auf dem Floß sitzt und er darüberhinaus die große MOB-Plattform so schnell nicht aus den Augen verlieren kann. Das nimmt auf beiden Seiten etwas Druck heraus, und wir gewinnen Zeit für ein sicheres und koordiniertes Rettungsmanöver.

Neben der MOB-Technik haben wir natürlich eine Grundausrüstung an Rettungswesten und eine ISO 9650-1 Rettungsinsel für den Hochseebereich dabei. Dann haben wir 6 rote Fallschirmraketen, 4 rote Handfackeln und 2 orange Rauchsignale dabei (entspricht der Empfehlung des WCC von 2016). Wir werden eine Grab Bag vorbereiten, in der sich alles befindet, was im Notfall wichtig ist (EPIRB, Satellitentelefon, Seenotsignale, Handfunkgerät, Wasser, hochenergetische Nahrung, Sonnencreme, Signalspiegel, usw.)

In Summe haben wir das Gefühl, gut mit Rettungsmitteln ausgerüstet zu sein. Wir haben zwar nicht alles, was man für Geld kriegen kann, aber doch eine sehr solide Ausrüstung, die auch gewisse Redundanzen beinhaltet. Hoffen wir, dass wir den Krempel nie brauchen werden!

-Christian

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