Wir haben eindeutig einen Vogel…

24.06.2018

45°07,4’N; 013°44,3’W

Das habt ihr bestimmt auch schon bemerkt…

Nachdem Christian sich vor ein paar Tagen den Frust von der Seele geschrieben hatte fand Neptun ein Einsehen und die See beruhigte sich etwas. Aus der fiesen Kreuzsee wurde eine angenehmere Welle und endlich riss auch der Himmel auf und die Sonne kam heraus. Erstaunlich, was das für einen Unterschied macht! Zwar waren die letzten Tage immer noch anstrengend, aber deutlich freundlicher und ab und zu konnten wir trotz der kalten Temperaturen auch mal draußen in der Sonne sitzen. Zusätzlich besserten wir die Stimmung mit dem Känguru-Manifest auf, darauf hatte uns der Blog der Roden Zora aus Amsterdam gebracht.

Wir holen jeden Tag neue Wetterdaten und leider scheint sich der untypische Ostwind vorerst vor der europäischen Küste festgesetzt zu haben. Also bestand für uns immer noch die Frage, wie wir am besten vorgehen. Unser eigentliches Ziel Falmouth in Südengland ist bei der aktuellen Windvorhersage praktisch unmöglich zu erreichen. Die erste Alternative wäre also Brest am nördlichen Ende der Biskaya, aber um dort hin zu gelangen müssten wir wahrscheinlich noch mindestens 8 Tage weiter kreuzen. Also bleibt La Coruna am südlichen Ende der Biskaya als Ziel. Um dort hinzukommen können wir jetzt noch bis morgen den Wind nutzen, der dann schnell zu einer ausgedehnten Flaute wird und auch wenn wir normalerweise nicht so scharf darauf sind sehenden Auges in eine Flaute zu fahren (wie Christian immer so schön sagt), kommt sie uns diesmal ganz gelegen. Wir werden die letzten Meile motoren und sollten dann in etwa 3 Tagen in La Coruna ankommen.

Für uns bedeutet das zwar, dass wir dann noch einmal die Biskaya überquere müssen, aber dem sehen wir recht entspannt entgegen. Die Biskaya-Querung war von einem Jahr noch unser Angststück, denn es war unsere erste mehrtägige See-Etappe. Mittlerweile sind wir aber deutlich erfahrener und wissen, dass wir für 3-4 Tage eine vernünftige Wetterprognose bekommen können und bei den mittlerweile etwa 13.500 Seemeilen, die hinter uns liegen kommt es auf diesen kleinen Umweg nicht mehr wirklich an. Auch zeitlich sind wir optimistisch, denn auf unserer Hinfahrt hatten wir La Coruna in Tagesetappen ab Hamburg nach 5 Wochen erreicht ohne allzu sehr in Eile zu geraten. Schade ist zwar, dass wir einen großen Teil der englischen Südküste verpassen werden, aber das können wir auch noch nachholen. Und um ehrlich zu sein freuen wir uns sogar ein wenig darauf noch einmal nach La Coruna zu kommen, denn der Ort hat uns wahrscheinlich von allen Orten an der europäischen Küste am besten gefallen.

Seit gestern haben wir übrigens mal wieder einen blinden Passagier an Bord. Man bekommt langsam den Eindruck die Krassy ist eine Art Erholungsheim für verirrte Vögel… Gegen Nachmittag saßen wir gestern im Schutz der Sprayhood im Cockpit als Christian auf einmal rief „Oh! Eine Eule!“. Vielleicht hatten wir doch ein bisschen zu viel Harry Potter gehört, denn die Eule stellte sich als Taube heraus… Sie flatterte erschöpft aufs Achterdeck und krallte sich dort so gut es ging fest. Christian holte schnell ein kleines Schälchen mit Wasser und stellte es dem Vogel vor die Nase. Als der endlich begriffen hatte was es war trank er in tiefen Zügen so viel Wasser, dass wir das Schälchen immer wieder neu auffüllen mussten. Die Taube ist übrigens total zutraulich und offensichtlich an Menschen gewöhnt. An beiden Beinchen trägt sie Markierungsringe, also könnte es vielleicht eine Brieftaube sein. Wie eine Großstadt-Pommes-Taube sieht sie nicht aus, dazu ist sie viel zu gepflegt.

Als nächstes kredenzte Christian eine Auswahl an verschieden Körnern und Flocken. Die guten Bio-Kürbiskerne wurden verschmäht, aber Popcornmais und Weizenkörner pickte die Taube in Windeseile heraus. Sie hatte also offensichtlich nicht nur Durst, sondern auch Hunger. Als wir uns dann irgendwann nach unten verzogen und das Cockpit frei machten plusterte sich uns gefiederter Gast auf und machte es sich in einer geschützten Ecke für die Nacht bequem. In der Zwischenzeit hatte das undankbare Vieh aber noch die gesamten Cockpitbänke vollgeschissen. Diese Taube hat eine Hochleistungsverdauung! Am nächsten Morgen hätte man meinen können, dass sie eine ganze Horde Kumpels eingeladen hatte um die Krassy vollzuscheißen, so viel konnte doch der eine kleine Vogel nicht allein verdauen! Naja, in der Nacht ließen wir sie noch dort sitzen, aber seit heute früh führt Christian einen erbitterten Kampf gegen das Federvieh, denn jedes Mal, wenn er die Bänke gerade sauber geschrubbt hatte kam die Taube wieder an und machte Dreck. Irgendwann bekam sie dann so eine gewatscht, dass sie wegflog. Mal sehen, ob sie noch mal zurückkommt…

-Steffi

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Segeln zum Abgewöhnen

22.06.2018

45°40.8’N, 016°25.2’W

Unsere Überfahrt begann relativ typisch für die Etappe unserer Reise, die vor uns liegen würde. Erst aus dem Azorenhoch herausmotoren, und dann die Westwinde nutzen. Das hat für die erste Hälfte der Strecke auch ganz gut funktioniert. 600 der gut 1200sm nach Falmouth kamen wir zwar nicht schnell, aber gut voran – bis alles anders werden sollte. Bereits im letzten Beitrag habe ich angekündigt, dass der Trend wohl nicht gerade unser Friend sein würde, und das ist noch schöneredet.

Der Trend ist nämlich ziemlich katastrophal, er verspricht uns tatsächlich eine stabile Ostwindlage, die einfach kein Ende nehmen will. Genau genommen haben wir ONO-Wind. Mehr von vorne geht also nicht. Norrmalerweise besteht so eine Wetterlage ein paar Tage lang, bevor sie von einem anrauschenden Tiefdruckgebiet weggefegt wird. Unsere Sorge war eher, dass wir es auf der zweiten Hälfte der Strecke mit starken oder stürmischen Winden von einem Tiefdruckgebiet zu tun bekommen könnten, dann aber aus West oder Südwest. Mit einer langfristigen Ostlage kann nun wirklich keiner rechnen!

So stehen wir hier, mitten auf dem atlantischen Ozean, mit Gegenwind und ohne Besserung in Sicht. Jetzt sind wir bereits seit zwei Tagen im Genuss des Hart-Am-Wind-Segelns bei 5-6 Windstärken. Und Spaß macht das nicht.

Aber von vorne. Die letzten Tage im Einfluss des Azorenhochs wurden zunehmend trüber und grauer. Hochdruckeinfluss bedeutet halt nicht immer eine Schönwetter-Garantie. Wir sahen nur noch grau, und segelten von einer Nebelbank durch die nächste. Aber wir kamen voran. Vorgestern endete dann der Zauber. Früh morgens drehte der Wind und machte ein paar Umbauten an unserer Besegelung erforderlich, und zum Gegenwind , der allmählich aufkam, begann es erst einmal wie aus Kübeln zu schütten. So einen Regen haben wir seit der Karibik nicht mehr gesehen, nur dass die Temperaturen jetzt nicht mehr annähernd karibisch sind. Tatsächlich haben wir es mittlerweile mit Nachttemperaturen um die 14°C zu tun, und tagsüber werden, im unwahrscheinlichen Falle, dass sich die Sonne blicken lässt, gerade mal 20°C erreicht. Wir haben die Barfuß-Route wohl jetzt offiziell verlassen.

Nun kämpfen wir uns Meile für Meile nach Osten. Amwind-Segeln kann ja richtig Spaß machen. Auch bei sechs Windstärken. Aber nur, wenn man es mit einer kurzen Distanz zu tun hat. Der geneigte Ostsee-Segler kennt das vielleicht: Man ist in Warnemünde und möchte nach Westen. Kühlungsborn liegt keine 20 Seemeilen entfernt. Der Wind weht mit 6 Windstärken direkt von vorne. Man beschließt, die Strecke hochzukreuzen. Das ist echter Sport, und nach einem kurzen Segeltag ist man da. Unterwegs gibt es eine Tüte Chips zu naschen, abends geht man zur Belohnung toll essen und man tauscht bei einem Bier mit den Bootsnachbarn Heldengeschichten aus. Am Tag darauf wird zur Erholung ein Hafentag eingelegt.

Hier draußen müssen wir unseren gesamten Alltag geregelt bekommen. Wir müssen Kochen, Essen, Brot backen, Wache gehen, Schlafen. Alleine der Toilettengang ist eine Herausforderung. An Schlaf ist fast gar nicht zu denken, weil man im Bett ständig durch die Gegend rutscht. Ich bin ganz von mir selbst überrascht, dass ich es schaffe, diesen Text halbwegs fehlerfrei zu schreiben. Stellt euch einfach mal vor, man würde eure Wohnung um 30-40° neigen und auf dem Rücken eines bockenden Esels festbinden. So in etwa fühlt sich das hier an. Ach ja, und im Badezimmer regnet’s Salzwasser, der Teppich ist nass, und irgendwie scheint nichts mehr trocknen zu wollen.

Unser Wendewinkel liegt bei bestenfalls 120°. Mehr ist nicht drin. Fahren wir mit 5 Knoten, machen wir damit in 24 Stunden ca. 50-60 Meilen in Windrichtung gut. Nun muss man diese Geschwindigkeit auch erreichen. Hier stellt sich die Frage nach der Besegelung. Der Wind ist nämlich sehr böig. Besegeln wir für den Grundwind, sind wir in den Böen hart überpowert, besegeln wir nach den Böen, parken wir im Grundwind ein. Bringen die Segel zu wenig Vortrieb, wird das Schiff durch die Wellen zusätzlich gebremst. Bringen die Segel zu viel Vortrieb, wird die Fahrt ruppiger und wir riskieren unser Material, was ja nun schon ein paar Seemeilen auf dem Buckel hat und nicht unerheblicher UV-Bestrahlung ausgesetzt war.

Wir fahren momentan eine Besegelung an der Grenze. Die volle Arbeitsfock und das Groß im zweiten Reff. Das hat sich in den letzten Jahren für 6 Windstärken bewährt, allerdings sorgt die raue See hier draußen für zusätzliche harte Schläge. Mit weniger Tuch sind wir zu langsam, und wir würden weniger Höhe laufen. So schaffen wir es nun, mit gut 5 Knoten zu segeln, hoffentlich ohne das Material zu riskieren. Knock on wood.
Mittlerweile haben wir uns ein bisschen an die Verhältnisse gewöhnt, aber wir wollen dem Elend so schnell wie möglich ein Ende setzen. Das zehrt gerade echt an unseren Kraftreserven. Unser momentaner Plan ist es, Strecke nach Osten gutzumachen, bis wir La Coruna oder Brest in Motor-Reichweite haben. Noch haben wir Diesel für gut 350 Seemeilen an Bord. Allerdings müsste der Wind erheblich nachlassen, wenn wir gegenan motoren wollten. Unsere aktuellen Wetterdaten sagen ein Flautengebiet im Seeraum vor La Coruna voraus, das 24h Bestand haben könnte. Sollte sich das bewahrheiten, könnten wir es nutzen, um ein paar Meilen nach Osten gutzumachen, getreu dem Motto: „Lieber einen Tag schlecht motort als drei Tage gut gekreuzt“. Das ist aber Stand von gestern, aktuelles Wetter rufe ich ab, wenn ich diesen Beitrag hochlade. Es wäre keine Überraschung, wenn wir unsere Pläne wieder über den Haufen werfen müssten. Oft genug erschien uns auf dieser Überfahrt die neuste Wetterprognose wie ein Schlag ins Gesicht. Vielleicht hat Neptun ja Erbarmen mit uns, und beschert uns eine Winddrehung, mit der wir wenigstens halbwegs sinnvoll nach Brest gelangen könnten. Optimistisch sind wir aber nicht.

-Christian

Ein Mann und sein Motor im Kampf gegen das Azorenhoch

18.06.2018

43°15.9’N, 024°21.9’W

Das Azorenhoch trägt seinen Namen bekanntermaßen ja nicht, weil ein alter Meteorologe dort gerne Urlaub gemacht hätte, sondern, weil es zumeist in direkter Nähe der Azoren anzufinden ist. Im Inneren eines Hochdruckgebietes herrscht zumeist schönes Wetter, aber Flaute. Insofern hatten wir Glück, als wir bei unserer Ankunft auf Terceira quasi bis zur Hafeneinfahrt segeln konnten. Es ist nicht unüblich, die letzten gut 100 Meilen vor den Azoren motoren zu müssen, weshalb die Seehandbücher auch explizit darauf hinweisen, man solle ausreichend Dieselvorräte für diesen Fall einplanen.

Dass um die Azoren Flaute herrscht, haben wir dann auch bei unseren Etappen nach Sao Jorge und Faial mitbekommen, die wir fast komplett unter Motor bestritten hatten. Nun stand also unsere Weiterfahrt auf dem Programm, und wir suchten nach einem geeigneten Wetterfenster. Und da war es: Die Prognose versprach einen schönen Windkorridor mit mäßigem Wind nördlich der Azoren, der zumindest vier Tage anhalten würde und uns gut in Richtung des englischen Kanals schieben würde, bevor das Wetter, naja, veränderlicher werden würde. So beschlossen wir, Freitag aufzubrechen, was schade war, denn just an diesem Tag wollten Karin und Robert mit der Moby Dick, die wir auf Madeira und den Kanaren getroffen hatten, in Horta ankommen. Gerne hätten wir mit ihnen etwas geklönt, aber vier Tage guter Wind ist halt besser als drei Tage guter Wind, und wir müssen den Zeitplan ja im Auge behalten. Immerhin hatten wir noch einen kurzen, aber nicht ganz störungsfreien Funkkontakt.

So führte uns unser Kurs zunächst nach Norden, um möglichst schnell aus dem Kern des Azorenhochs heraus zu gelangen. Tatsächlich war hierfür ein nicht unerheblicher Motoreinsatz von 16 Stunden nötig, denn abgesehen von kurzen Strecken zwischen den Inseln ging seglerisch gar nichts. Aber dann, ganz allmählich, kam Wind auf und wir konnten segeln, weiterhin nach Norden, um auch sicher in den Windkorridor zu gelangen. Das war entspannt, aber auch nervig, denn wir hatten nur gerade so viel Wind, dass wir mit etwas mehr als drei Knoten voran kamen, und die See war dennoch bewegt genug, um die Segel ordentlich schlagen zu lassen.

Tja, Geduld ist eine Tugend, und mittlerweile wurden wir durch schönes und entspanntes Segeln belohnt und fahren tatsächlich auf unser Ziel zu. Aber: The trend is not our friend, nun sieht es ganz so aus, als würden wir ordentlich Gegenwind bekommen. Das hat sich in unseren Wetter-Downloads bereits angedeutet, jetzt kam von unserem Shore-Support Ha-Jo die Bestätigung: Gegenwind von Donnerstag bis Montag. Na geil. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Mit bisschen Glück kommt der Wind nicht ganz von vorne, so dass wir wenigstens auf einem Bug sinnvoll vorwärts kommen können, ansonsten wird’s langwierig und nervig. Hoffen wir mal, dass es sich nicht ganz so bewahrheitet, denn eine Prognose die über mehr als 3 oder 4 Tage hinaus geht, läuft bei uns unter der Kategorie „Kaffeesatz-Lesen“. Wenn wir irgendwann zu sehr genervt sind (Dauerhaftes Amwind-Segeln macht den Bordalltag und das Schlafen echt schwierig), müssen wir über Alternativen nachdenken. La Coruna könnte so eine Alternative sein, aber warten wir erstmal ab. Noch ist nichts passiert, und noch halten wir an Falmouth fest!

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten. Schlafen und Kochen funktioniert, da es recht ruhig ist, bestens, und die Tage plätschern mit Harry Potter und den Heiligtümern des Todes langsam vor sich hin. Duschen wird temperaturmäßig langsam zu einer echten Qual, man muss schon echt stinken, um sich das anzutun. Aber nur die Harten kommen in den Garten. Bisheriges Highlight: Ein großer Wal besuchte uns gestern Abend und zog ganz entspannt und gelassen ein paar Bootslängen entfernt an der Krassy vorbei. Was für ein Anblick!

-Christian

Da muss man mal gewesen sein

15.06.2018

Das ist es, was den Zauber von Horta ausmacht. Oder vielleicht auch nicht? Horta ist genau genommen kein Highlight, die Marina ist völlig überfüllt, der Ort bietet nicht unbedingt viel fürs Auge und auch die Restaurants sind eher dünn gesät und für die Azoren erstaunlich teuer. Aber man muss eben mal da gewesen sein, denn hier fährt jeder hin. Und natürlich muss man die beiden Dinge tun, die alle Segler in Horta tun: ein Bild auf die Kaimauer malen und ins Peter Cafe Sport gehen. Wir haben pflichtbewusst beides erledigt und freuen uns tatsächlich, dass vielleicht der ein oder andere auch irgendwann mal unser kleines Kunstwerk an der Hafenmauer entdecken wird.

Wir hatten gehofft in Horta ein wenig mehr mit anderen Crews ins Gespräch zu kommen, aber leider war das hier so gar nicht der Fall. Mit unseren französischen Nachbarn war die Kommunikation nach der nächtlichen Pinkelparty eher mau und auf das unvermeidbare begrenzt und ansonsten gab es auch wenig Gelegenheiten mit anderen zu plaudern. Einzig die Crew einer größeren Hanse, die im Päckchen vor uns lag schien ganz witzig zu sein, vor allem aber weil das Boot den Namen „Unsinkable 2“ trug und so schon ein gewisses Maß an Humor seitens der Crew suggerierte. Aber in Horta ist doch jeder mit sich selbst und den Vorbereitungen für die nächste große Überfahrt beschäftigt.

Wir schleppten uns in der schwülen Hitze zum nächstgelegenen größeren Supermarkt, kauften frisches Obst und Gemüse ein, wechselten unsere Genau, füllten den Wassertank und nun sind wir auch wieder auf See.

Natürlich waren wir auch im Cafe Sport und ließen dort nach einem sehr üppigen Abendessen auch unsere alte Krassy-Flagge, die nun neben der Tür an der Wand hängt. Sollte es euch mal nach Horta verschlagen, dann haltet gut Ausschau nach ihr!

Unser nächster Halt ist nun hoffentlich Falmouth in England. Bisher scheint es so, dass wir ein sehr gutes Wetterfenster gefunden haben und wenn alles läuft wie geplant, dann sind wir sogar ziemlich gut in der Zeit.

-Steffi

Schlaflos in Horta

13.06.2018

Samstag in aller Frühe, der Wecker klingelte tatsächlich schon um 6 Uhr morgens, verließen wir mit etwas schwerem Herzen den Hafen von Angra, um die nächste Insel, Sao Jorge, anzulaufen. Wind war nur sehr wenig vorhergesagt (was auch nicht ungewöhnlich ist, wenn man bedenkt, dass wir uns mitten im Azoren-Hoch befinden), aber wir waren frohen Mutes, doch einen guten Teil der Strecke segeln zu können, zumindest zwischen Terceira und Sao Jorge. Segeln konnten wir dann ungefähr 2 Stunden lang, bevor der Wind dann so schwach wurde, dass wir den Rest der Strecke unter Motor bewältigen mussten. Die Überfahrt war dann auch recht ereignislos, abgesehen von vereinzelten kleineren Walen, die wir in der Ferne erspähen konnten.

Der Hafen von Sao Jorge ist klein und gemütlich. Und es war gut, dass wir früh los sind, denn so bekamen wir eine eigene Box zugeteilt, in der wir, obwohl sie etwas klein für unser Boot war, gut liegen konnten.

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Hafen von Velas auf Sao Jorge

Der Sonntag war dann etwas verschlafen. In Sao Jorge gibt es eine große Population verrückter Vögel, im Englischen heißen sie wohl Shearwater. Tagsüber sitzen sie in größeren Gruppen auf dem Wasser herum, und nachts flippen sie total aus. Sie kreisen, laut kreischend in großen Schwärmen über den Hafen und machen Schlafen zu einer Herausforderung. Ihr Schrei hört sich in etwa so an: „Aua-Aua-Haua-Haaaaaaa“, fast schon norddeutsch, in Endlosschleife und mit mehreren Stimmen gleichzeitig echt nervtötend. Der Tag tröpfelte also vor sich hin, außerdem war Sonntag und darüber hinaus portugiesischer Nationalfeiertag, daher konnte man sowieso nicht viel machen. Ich lief auf Empfehlung der Dame in der Touristeninformation, um wenigstens irgendetwas zu tun, einen nahegelegenen Hügel hinauf und wurde mit einer großartigen Aussicht auf die Inselwelt zwischen Sao Jorge, Pico und Faial belohnt.

Für Montag hatten wir uns eine Wanderung ausgesucht, die uns bereits auf Terceira empfohlen wurde. Man kann sich Sao Jorge in etwa so vorstellen: Die Insel ist schmal und lang, rundherum hat sie eine Steilküste, und der größte Teil der Insel liegt auf einem hoch gelegenen Plateau, bestehend aus sanften Hügeln, die von Wald, Wiesen und Feldern bedeckt sind. Unsere Wanderung würde oben auf dem Plateau auf rund 700m beginnen, und uns über eine Strecke von gut 10km runter an die Nordküste führen. Das Problem war nur: Wie kommen wir da hin? Das ist kein Rundweg, daher ist ein Mietwagen nicht wirklich hilfreich. Und Busse fahren kaum. Wir mussten uns also ein Taxi nehmen, mit dem wir zum Startpunkt der Wanderung gelangen konnten, und das uns am Endpunkt der Wanderung wieder abholt. Zum Glück gibt es für diese Routen Festpreise, man weiß also, worauf man sich einlässt. Start- und Endpunkt unserer Wanderung waren ein gutes Stück weit entfernt, daher kostete uns der Spaß 60€. Dafür bekamen wir aber auch eine Inselrundfahrt geboten, an der Südküste entlang ca. 45min hin, und an der Nordküste entlang gut 45min zurück. So nahmen wir die Wanderung in Angriff, obwohl die Nacht wegen des Geschnatters nicht viel erholsamer war, als die Nacht zuvor.

Und die Wanderung war wirklich toll! Die erste Hälfte bestand aus dem Abstieg runter auf Meeresniveau, und bot einige sehr schöne Ausblicke. Der Weg führte uns über die ein oder andere Kuhweide, durch Wälder und an einem Wasserfall entlang zur Nordküste, und der zweite Teil ein Stück an der Küste entlang zu einer winzigen Siedlung, die im Prinzip nur aus einer Kirche und einer Snackbar bestand. Ich konnte es mir auch nicht verkneifen, unter dem Wasserfall ein kleines Bad zu nehmen (jaja, das Kind im Manne…), was aber wirklich nur kurz war, denn das Wasser war saukalt. Was Wandern angeht, ist Steffi übrigens ein Phänomen. Bergab, egal wie steil, kann sie stundenlang laufen, ohne aus dem Ruhepulsbereich zu kommen. Setze sie auf dem Mount Everest ab, und sie läuft entspannt und locker flockig ins Base Camp runter. Sobald es aber ein paar Meter hoch geht, hört das Fluchen gar nicht mehr auf. Abends gönnten wir uns dann ein Abendessen im Yachtclub und fielen danach erschöpft ins Bett.

Gestern beschlossen wir, weiter nach Horta auf Faial zu fahren, in der Hoffnung, einen Platz im Hafen zu bekommen, und vielleicht mal wieder eine Nacht ohne Geschnatter zu verbringen. Horta ist so etwas wie ein Drehkreuz der Atlantiksegler und Weltumsegler, der klassische Stopp, wenn man über den Teich kommt. Mir war der Ort lange ein Begriff, und auch für mich war er eine Art Sehnsuchtsziel. Hier fährt man hin und hinterlässt ein Bild an der bunten Hafenmauer. Was den Hafen angeht, ist Horta allerdings kein echtes Highlight. Man liegt im Päckchen, die Boote werden also in Viererpäckchen (oder mehr) längsseits aneinander vertäut. Liegt man innen, also an der Mole, laufen einem viele Leute über Deck. Liegt man außen, muss man immer damit rechnen, dass einer, der innen liegt raus will, und man Manöver fahren muss. Das ist natürlich kommunikativ und regt den Austausch untereinander an, aber es kommt auch ein bisschen auf die Nachbarn an.

Als wir dann Horta erreichten, wurden wir auch wie erwartet in ein Päckchen verwiesen, allerdings nur als zweites Boot. Das war echt gut, da habe ich mit Schlimmerem gerechnet. Steffi war nicht wirklich glücklich, denn in ihr kam, je mehr wir uns Horta näherten, zunehmend Horror vor dem Hafen und den dazugehörigen Hafenmanövern auf. Insgesamt war das dann doch alles halb so wild, wir liegen an der Außenmole, wo sowieso viel Platz ist, und darüber hinaus war (und ist) auch nicht viel Wind.

Abends drehten wir noch eine erste Runde durch den Ort, dann suchten wir uns ein Restaurant fürs Abendessen. Das war allerdings eher eine Enttäuschung. Insgesamt, so hat sich bisher herausgestellt, war Terceira gastronomisch eine ganz andere Liga. Das Essen war deutlich besser, auch auf Sao Jorge konnten die Restaurants nicht so wirklich überzeugen, und darüber hinaus sind die Preise auf Sao Jorge und Faial gut 50% höher als auf Terceira.

Als wir abends zur Krassy zurückkamen, stellten wir fest, dass auf dem französischen Nachbarboot, an dem wir längsseits liegen, eine kleine Party im Gange war. Wir sind nicht unbedingt die Typen, die direkt meckern, wenn’s mal lauter ist. In Puerto de Mogan haben wir bestimmt auch die Nerven einiger Bootsnachbarn strapaziert, als wir mit unseren Freunden von der Walross 2.1 und der Leonora bis nachts zusammen gesessen haben. Außerdem dachten wir uns: Die haben Kinder, das kann schon nicht so lange gehen. Aber Pustekuchen, die Party ging bis um zwei Uhr nachts, das Geschnatter der Vögel wurde also nur durch französisches Stimmengeschnatter ausgetauscht, angereichert mit dem regelmäßigem Plätscher-Geräusch der benachbarten Überbord-Pinkler (auch so eine französische Marotte), so dass wir uns vorkamen, als versuchten wir, auf einer öffentlichen Toilette in Frankreich zu nächtigen. Man wird auf so einer Reise, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade frankophil. Bis wir dann wirklich einschliefen, dauerte noch eine kleine Ewigkeit. Und heute früh wurden wir dann auch gleich geweckt, als ein neues Nachbarboot an unsere freie Seite kann. Wir fragen uns wirklich, wie man sich hier in Hinblick auf die nächste längere See-Etappe erholen soll.

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Pissoir Francaise

Jetzt müssen wir mal schauen, wie’s weiter geht. Erstmal wollen wir noch unser Bild an die Hafenmauer malen, dann haben wir die Hoffnung, zum Wochenende hin in Richtung England zu starten, wenn das Wetter ok ist. Es wäre aber schön, bis dahin wenigstens noch ein bisschen Schlaf zu bekommen…

-Christian

Österreich mit Seeblick

08.06.2018

Jetzt ist es wieder eine ganze Zeit her, dass ihr von uns gehört habt. In der Zwischenzeit haben wir eine ganze Reihe toller Nachrichten und e-mails mit Glückwünschen erhalten über die wir uns riesig gefreut haben! An dieser Stelle also noch mal ein ganz dickes DANKESCHÖN an alle die unsere Reise verfolgen und uns immer wieder schreiben!

Wir krönten den letzten Sonntag indem wir uns noch ein leckeres Abendessen gönnten. Auf der Suche nach einem Restaurant folgten wir einem Schild in einem unscheinbaren Eingang. Dort hieß es: Fresh Food made with Love. Klingt doch gut! Die Treppe rauf ging es dann in einen herrlich gemütlich eingerichtetes „Wohnzimmer“. Alles war bunt und ein bisschen schrill und wir hatten das Gefühl direkt zurück nach Hamburg ins Karoviertel katapultiert worden zu sein. Auf den Azoren ist es so günstig essen zu gehen, dass wir tatsächlich bisher kein einziges Mal selbst gekocht haben seit wir hier angekommen sind. Nach einem üppigen und meist richtig gutem Essen mit Vorspeise und Nachtisch stehen selten mehr als 25 oder 30 Euro auf der Rechnung und besonders nach den letzten Monaten auf den Virgin Islands, Bahamas und Florida genießen wir es so richtig mal wieder solche Spottpreise zu zahlen. Wenn einem Sätze entweichen wie „Och Mensch, das Bier hat ja jetzt nur 6 Dollar gekostet, das ist ja voll okay!“ dann weiß man, dass man schnell nach Portugal fahren sollte!

Am Montag kümmerten wir noch mal um die Krassy. Ein großer Berg Wäsche wollte gewaschen werden, wir polierten endlich mal den Flugrost von unserem Heckkorb, spülten unseren Wassertank ordentlich durch, wuschen die salzwassergetränkten Teppiche mit reichlich Frischwasser aus und reparierten den kaputten Abfluss unter den Plichtbänken. Irgendwann zwischen der ganzen Arbeit kamen wir dann doch noch mit unseren Stegnachbarn ins Gespräch. Ein paar Boote weiter lag eine Hallberg-Rassy 36 mit einem jungen Pärchen und einer riesigen Berliner Flagge. Sandra und Jens sind etwa in unserem Alter und haben im letzten Jahr eine sehr ähnliche Tour gemacht wie wir. Die beiden haben sich dann entschieden ihr Boot auf den Azoren zu lassen, denn so richtig konnten sie sich nicht durchringen die Reise endgültig zu beenden. Jetzt kommen sie wann immer sie können hier her und erkunden die Azoren, immer mit der Möglichkeit im Hinterkopf doch eines Tages wieder aufzubrechen, in welche Richtung auch immer…

Aus einem kurzen Pläuschchen wurde ein ganzer Abend und besonders Jens freute sich wie bolle, als wir aus unserem Kühlschrank ein paar Dosen Carib-Bier hervorzauberten. Da die beiden abends mit einem Bekannten essen gehen wollten luden wir auch Peer aus Österreich zu uns ein und später gingen wir alle zusammen zum Captain’s Table, einem Restaurant, das erst kürzlich von einem anderen Langfahrer eröffnet wurde, der ebenfalls hier auf den Azoren geblieben ist. Essen und Gesellschaft waren super und nach sehr langer Zeit fielen wir mal wieder erst spät in der Nacht in unsere Koje.

Der nächste Tag lief entsprechend schleppend an, denn das späte und deftige Essen hatte besonders bei mir zu einer eher durchwachsenen Nacht geführt… Wir verbrachten außerdem den größten Teil des Tages mit der Suche nach weiteren Lecks, denn trotz unserer gelungenen Reparatur des Ablaufs im Cockpit war der Teppich um den Kartentisch herum noch immer klitschnass. Da wir nicht fündig wurden entschieden wir, dass wahrscheinlich das Wasser noch nachgesickert war, denn wir hatten ja das Cockpit ordentlich geflutet als uns der kaputte Ablauf aufgefallen war. So lange das Wasser von oben hereinkommt sind relativ entspannt. Das ist zwar lästig, aber so ist das nun mal bei alten Booten…

Später am Nachmittag wollten wir noch ein wenig den Ort erkunden und liefen dabei so weit, dass wir sogar zum großen Supermarkt Continente kamen. Man muss dazu übrigens wissen, dass es auf dieser Insel keine ebenerdigen Wege gibt. Es geht IMMER bergauf! Nach drei Wochen kultiviertem Muskelschwund war der Spaziergang durch den Ort also doppelt anstrengend…

Mittwoch hatten wir dann endlich das Gefühl, dass die Krassy jetzt erst mal genug Zuneigung bekommen hatte und so mieteten wir uns ein kleines Auto um die Insel zu erkunden. Nach dem dicken SUV, den wir in Daytona gemietet hatten musste Christian sich erst mal wieder an das Fahren mit Gangschaltung und ohne Rückfahrkamera gewöhnen, aber wir sind ja anpassungsfähig…

Die größten Highlights auf Terceira sind die Vulkangrotten, denn wie das ganze Archipel ist auch diese Insel durch Vulkanausbrüche aus dem Atlantik aufgestiegen. Als erstes fuhren wir zu einem Lavafeld, auf dem man auf einem Rundweg die aus der Erde aufsteigenden Dämpfe bewundern kann, sowohl optisch als auch olfaktorisch. Will heißen, man sah hier dicke Dampfschwaden aus dem Boden aufsteigen und es roch fies nach Schwefel.

Danach ging es dann weiter, tief in die Erde hinein. Nicht weit entfernt von den Lavafeldern kann man direkt in einen Vulkan hinabsteigen und aus der Grotte heraus durch den Vulkankrater den blauen Himmel bewundern. Tief unten (mal wieder ging es zur Freude der müden Beine bergauf und bergab…) gab es einen See und an den Wänden im Inneren des Vulkans gab es Stalagmiten und Stalagtiten zu bewundern. Teile des Gesteins bestehen aus Obsidian und wer wie wir Game of Thrones gesehen hat, der denkt jetzt bestimmt auch an die weißen Wanderer…

Wenn man schon mal auf den Azoren ist, dann muss man auch wandern gehen. Besonders mein Captain war mal wieder vom Bewegungsdrang geplagt und hatte sich schon ausführlich über die Wanderwege der Insel informiert und zielstrebig den schwierigsten als unser Ziel auserkoren, den Misterios Negros. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass dieser Wanderweg zum Glück auch der mit dem geringsten Höhenunterschied war und zudem einer der schönsten der Insel sein soll. Wir fuhren also zum Startpunkt des Weges, zogen unsere Wanderschuhe an und los ging es. Zunächst fragten wir uns noch, was eigentlich so schwierig an diesem Weg sein sollte, denn wir liefen auf recht gut befestigten Wegen durch die hügelige Landschaft. Langsam aber sicher kamen wir dann jedoch immer tiefer in den Wald und irgendwann war ein Weg nur noch anhand der Zeichen an den Bäumen und den matschigen Fußabdrücken zu erkennen. Es ging im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein und wir mussten mehr als einmal die Hände zuhilfe nehmen und uns an den Ästen der Bäume heraufziehen. Es war mehr ein Kletterpfad als ein Wanderweg, aber genau sowas macht auch richtig Spaß! Die Landschaft veränderte sich ständig und so kamen wir aus dem dichten Wald heraus und fanden uns auf einem schwarzen Hügel aus Lavastein wieder. Hier verloren wir kurz den Weg und Christian kletterte fast bis oben auf den Hügel, wo allerdings das Gestein so locker wurde, dass es sich mit Sicherheit nicht mehr um einen Weg handeln konnte. Von oben konnte man aber gut erkennen wo der Pfad weiterführte und kurz danach fanden wir uns mitten auf einer Alm mit Kühen wieder auf der es herrlich nach der wild wachsenden Zitronenmelisse duftete. Wir waren in Österreich angekommen und vom Hügelkamm sahen wir sogar das Meer! Was für eine Mischung!

Obwohl man laut unserer Wanderkarte für den Weg 2,5 Stunden brauchen sollte schafften wir ihn doch tatsächlich in 2 Stunden. Ein bisschen stolz auf uns kamen wir wieder am Ausgangspunkt an und stellten fest, dass gerade noch genug Zeit blieb um die Lavatunnels zu besuchen, deren Eingang sich ebenfalls am Start des Wanderweges befindet. Wir bekamen ein paar Bauarbeiterhelme ausgehändigt und wurden mehrfach darauf hingewiesen, dass wir uns doch bitte in bisschen beeilen sollten, denn in einer halben Stunde wäre Zapfenstreich. Wir stiegen also behelmt in die Tunnels hinab wobei sich Christian tatsächlich an jedem einzelnen Stein den Kopf stieß (mit dem Helm war er ja noch ein bisschen größer als ohnehin schon…) und stapften durch die beeindruckenden Tunnels, die sich die heiße Lava durch den Stein gegraben hatte. An einigen Stellen war der Tunnel so niedrig, dass man beinahe hindurchkriechen musste, dafür konnte man aber auf dem ganzen Weg durch den natürlich geschaffenen Lavaboden laufen. Ein Glück hatten wir noch immer unsere Wanderschuhe an…

Müde und hungrig wollten wir nach diesem aufregenden und tollen Tag natürlich noch was essen gehen. Google Maps bot nicht weit von den Lavatunnels entfernt eine kleine Taverne an, die ziemlich gute Bewertungen hatte. Der Wirt sprach exzellentes Englisch, meinte allerdings das Essen wäre erst in einer Stunde so weit. Um uns damit nicht zu verschrecken nahm er uns mit in die Küche und zeigte uns die Lavasteinöfen in denen schon einige Töpfe vor sich hin schmorten. Wenn er das Essen für uns früher rausholen würde wäre es nicht so gut. Kein Problem, wir warten!

Wir bestellten uns schon mal was zu trinken und bekamen als Vorspeise Brot, azorischen Käse und Feigenmarmelde. Tatsächlich kam dann nach einer Stunde das Essen. Wir konnten vorher aussuchen ob wir lieber Fisch oder Rippchen wollten. Wir hatten uns für Rippchen entschieden und auch wenn ich sonst wirklich kein großer Fleischesser bin stellte sich das als ausgezeichnete Wahl heraus! Wir bekamen einen riesigen Teller mit saftig geschmorten Rippen (Rippchen wäre falsch…), dazu gab es die wahrscheinlich besten Süßkartoffeln, die wir je gegessen haben, Paprikareis und Salat. Das Essen war einfach super! Wir futterten tatsächlich alles auf und unterhielten uns zwischendurch immer wieder mit dem herzlichen und sympathischen Wirt, der von den Geschichten über unsere Reise ganz begeistert war. Er spendierte uns zu unserem Kaffee, den man hier nach dem Essen trinkt noch ein paar Stücke traditionellen Kuchen nach altem Rezept aus Terceira und zum Abschluss gab es sogar noch einen kleinen Minzlikör von der Insel Pico aufs Haus. Die Rechnung war mal wieder so gering, dass wir ein saftiges Trinkgeld drauflegten und ich ließ mir auch gleich ein paar Visitenkarten und Flyer geben um im Hafen ein bisschen Werbung zu machen. Sollte es euch irgendwann mal nach Terceira verschlagen, dann geht unbedingt in der Taberna Roberto essen! Ruft ein paar Stunden vorher dort an und Roberto zaubert euch ein wahrhaft himmlisches Mahl. Übrigens verirren sich Touristen so gut wie nie in dieses Lokal, hier gehen eigentlich nur die Einheimischen hin, was es sogar noch heimeliger macht.

Den Tag schlossen wir dann noch mit ein paar Abschiedsdrinks mit Sandra, Jens und Peer ab, denn Sandra und Jens flogen am nächsten Tag ganz früh zurück nach Berlin. Schade, mit den beiden hätten wir gern noch ein paar Abende verbracht, aber ihr Urlaub war zuende und für die beiden ruft die Arbeit wieder. Ihr Boot hatten sie am Nachmittag aus dem Wasser geholt und ins Trockendock gestellt. Dort bleibt die Kobold jetzt bis zum nächsten Besuch.

Als wir zurück zur Krassy kamen erwartete uns noch eine kleine Überraschung. Dort wo vorher die Kobold lag war ein anderes Schiff angekommen. Die Streamline aus Schweden, unsere alten Stegnachbarn aus Puerto de Mogán! Na sowas, die Welt ist klein!

Am nächsten Morgen schauten wir natürlich bei den beiden Schweden vorbei und wurden auch gleich wiedererkannt. Da wir aber noch einen weiteren Tag unser Auto zur Verfügung hatten machten wir uns bald wieder auf den Weg und fuhren an der Süd- und Westküste der Insel entlang wo wir immer wieder anhielten um uns verschiedene Aussichtspunkte anzusehen. Über Praia do Vitoria im Westen der Insel, wo wir einen kleinen Mittagsstopp machten ging es weiter zur Steilküste im Norden. Hier kletterten wir zum Rand der Klippe und beobachteten eine ganze Zeit lang wie die Brandung gegen die hohen Steilwände klatschte. Davon bekommt man nie genug! Auch an ein paar natürlichen Pools verbrachten wir eine ganze Weile, denn auch hier war das Schauspiel der heranrollenden und sich brechenden Wellen wieder mal faszinierend.

Auf dem Rückweg nach Angra hielten wir noch mal beim Continente um unsere Vorräte für die Überfahrt nach England wieder aufzustocken und nach einem weiteren großartigen Abendessen ging es zurück zur Krassy.

Heute haben wir unseren kleinen Mietwagen wieder abgegeben und nach langem Überlegen haben wir entschieden morgen zur Insel Sao Jorge weiterzufahren. Der Wind ist ziemlich schwach, was nicht so ideal ist, aber von dort aus sind wir nah an Horta dran und können entweder mit der Fähre übersetzen oder doch noch mit der Krassy nach Horta fahren. In Velas auf Sao Jorge soll der Hafen allerdings deutlich schöner sein und so recht begeistert sind wir nicht in Horta im Päckchen zu liegen, deshalb scheint uns dieser Kompromiss eine gute Möglichkeit zu sein um noch zwei weitere Inseln besuchen zu können.

-Steffi

 

Ein Hoch auf die Azoren

03.06.2018

Wir sind angekommen! Gestern, am 02.06 um 14.30h haben wir nach ziemlich genau 23 Tagen auf See und mit 2942 Seemeilen im Kielwasser den Hafen von Angra do Heroismo auf Terceira erreicht. Wikipedia übersetzt den Namen dieses Ortes mit „Bucht der Heldenhaftigkeit“, und das ist doch ein passender Ankunftshafen, denn ein bisschen fühlen wir uns auch wie Helden.

Unsere Überfahrt war wirklich großartig. Wir hatten größtenteils beste Segelbedingungen. Hier ein paar Daten zu unserer Besegelung, die das verdeutlichen:

Gesamt-Reisedauer 550 h
Vollzeug 260 h
1. Reff im Groß 80 h
2. Reff im Groß 30 h
3er-Setup (2 Vorsegel + Groß) 80 h
Passat-Setup (2 Vorsegel) 60 h
Motor 40 h

Den Großteil der Überfahrt hatten wir also Vollzeug oben, oder, wenn der Wind bisschen achterlich war, unser bewährtes Dreier-Leichtwind-Setup. Gelegentlich hatten wir mal ein Reff im Groß, wenn der Wind mal auf 5 Windstärken hoch ging, und ein zweites Reff, wenn wir das mit 6 Windstärken zu tun hatten, was nur beim Durchzug eines Tiefdruckgebietes der Fall war.

Unsere Entscheidung, den Großteil der Überfahrt am 35. Breitengrad entlang zu fahren, hat sich also ausgezahlt. Insgesamt sind wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,3kn gefahren, was für den Wind, den wir hatten, echt ok ist. Weiter nördlich wäre die Überfahrt wahrscheinlich schneller, aber sicher nicht so entspannt gewesen.

Was unsere Vorräte an Obst und Gemüse angeht, haben wir gut eingekauft. Am letzten Morgen haben wir unser letztes Obst gegessen, und bei Ankunft hatten wir noch ein paar Zwiebeln und Knoblauch-Knollen, drei Süßkartoffeln und drei kleine Kürbisse übrig.

Wir hatten jede Menge Wasser gebunkert, und waren trotzdem sparsam. Unser Wassertank fasst insgesamt 260l, und zusätzlich haben wir noch 200l in Flachen und Kanistern mitgenommen. Die erste Woche nahmen wir unser Trinkwasser aus dem Tank, danach aus den Flaschen und Kanistern. Ansonsten nutzten wir unser Tankwasser in erster Linie zum Kochen, für Kaffee und für etwas rudimentäre Körperpflege. Duschen und Spülen erfolgte nur mit Salzwasser.

Nun haben wir aus dem Wassertank  140l verbraucht, und 70l Wasser aus den Kanistern. Daraus ergibt sich ein Pro-Kopf-Verbrauch an Trinkwasser (wirklich nur zum Trinken) von in etwa 2,5l pro Person und Tag, in Summe also gut 100l. Der Rest, also noch einmal etwa 100l (oder 4-5l pro Tag), ging also für Kochen und Körperpflege drauf. Schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass laut Wikipedia der Mensch pro Tag im Durchschnitt rund 20-40l zum Duschen verbraucht. Und für unsere erste und lang ersehnte Dusche hier im Hafen mit heißem  Süßwasser haben wir bestimmt so viel Wasser verbraucht wie auf unserer gesamten Überfahrt!

Was unsere Energieerzeugung angeht, hatten wir keinerlei Probleme. Wir hatten den Windgenerator, der unterwegs mehr Lärm als Energie produziert, von Anfang an ausgeschaltet und haben nur solar geladen. Auf Ostkurs haben wir deutlich weniger Abschattungen auf den Panels als auf Westkurs. Außerdem sind die Tage jetzt länger und der Kühlschrank muss nicht mehr ganz so hart arbeiten.

Und, last but not least, gab es, von dem kleinen Riss im Vorsegel, den wir bereits unterwegs geflickt haben einmal abgesehen, keinerlei Schäden am Boot!

So haben wir uns gestern zur Feier des Tages ein gutes und erstaunlich günstiges Abendessen gegönnt und sind danach völlig erschöpft ins Bett gefallen. Tatsächlich haben wir 13 Stunden lang komatös geschlafen! Da merkt man doch, dass der Körper ein gewisses Nachholbedürfnis hatte.

Heute stand die Krassy im Mittelpunkt. Wir haben aufgeräumt, Segel verpackt, und das Boot von außen und innen gründlich geputzt. Dabei ist uns eine kleine Leckage aufgefallen. Normalerweise wird Wasser, das unter den Bänken im Cockpit steht, über kleine Schläuche nach außen geleitet. An der Stelle, an der der Schlauch angebracht ist, hat sich aber ein Riss im Kunststoff gebildet, mit der Folge, dass die Soße nach innen läuft und nicht nach außen. Wir hatten uns schon länger gewundert, warum der Teppich an dieser Stelle gelegentlich feucht ist, jetzt haben wir die Ursache endlich gefunden. Das hat allerdings zur Folge, dass morgen doch noch einmal Krassy-Projekttag ist, denn um das zu reparieren, werden wir wohl wieder etwas Epoxy anmischen und mit Glasfasermatten rummurksen müssen.

Wenn das erledigt ist, werden wir endlich anfangen, Terceira zu erkunden. Zumindest Angra do Heroismo gefällt uns auf den ersten Blick schon einmal sehr gut, und wir freuen uns auf ein paar schöne Insel-Tage.

-Christian

P.S.: Hier ein paar Impressionen zu unserer Überfahrt.