Seid bereit! – Immer bereit!

Schäden am Boot, Schlechtwetter und andere Katastrophen sind schon ärgerlich genug, wenn man nur durch die dänische Südsee segelt. Aber dort ist der nächste schützende Hafen meist schnell erreicht, und im Ernstfall Hilfe innerhalb kürzester Zeit da. Je weiter man sich von den geschützten Küstenrevieren entfernt, desto ärgerlicher (und mitunter gefährlicher) werden Schäden an Ausrüstungsgegenständen, an denen man sich eigentlich keinen Schaden leisten will. Ebenso fehlt die Möglichkeit, schnell in einen nahe gelegenen Hafen zu huschen, um schlechtes Wetter auszusitzen.

Wir haben uns schon in einem frühen Planungsstadium mit diesen Gedanken beschäftigt, und uns gefragt, wie wir die Krassy am besten baulich und seglerisch auf unsere Reise vorbereiten können.  Im Mittelpunkt standen folgende Fragen:

Was darf auf keinen Fall kaputt gehen?

Wir wollen erst einmal nicht, dass die Krassy ohne Not absäuft. Der Rumpf der Krassy besteht aus handaufgelegtem Massivlaminat. Den bekommt man so schnell nicht kaputt. Er hat aber auch jede Menge Löcher: Ab- und Zuläufe von Toilette, Waschbecken, Motorkühlung, Speigatten, dann die Durchführungen für die Propellerwelle und den Ruderschaft. Die Propellerwellendichtung haben wir bereits direkt nach Kauf der Krassy ausgetauscht. Da kam so viel Wasser rein, dass wir uns während der kurzen Überführung von Monnickendam nach Warns immer wieder zum Lenzen genötigt sahen. Die Dichtung am Ruderschaft ist noch original, aber solange der Ruderschaft nicht allzu viel Spiel hat, muss man da wohl nicht rangehen.

Die diversen Borddurchlässe und Seeventile waren auch noch Original. Einige sahen astrein aus, andere schon bisschen angefressen. Das Problem hier war, dass wir erstens nicht wussten, aus welchem Material die Originalteile waren, und zweitens, dass man es nicht zwangsweise sieht, wenn ein Ventil oder Borddurchlass durch ist. Gerade bei  Messinglegierungen hat man das Problem der Entzinkung (Stichpunkt auch hier: elektrolytische Korrosion). Kurz gesagt: Der Zink im Messing verschwindet, übrig bleibt ein weiches Kupfer-Gerüst, das dann möglicherweise bei der nächsten Betätigung des Kugelhahns nachgibt. Ergebnis: Kugelhahn in der Hand, und ein 1 1/2“ dicker Wasserstrahl, der einem entgegen kommt. Um hier sicher gehen zu können, dass alles in Ordnung ist, haben wir vorletzten Winter sämtliche Borddurchführungen und Seeventile austauschen lassen. Als Material wählten wir Rotguss, das ist eine Bronzeartige Legierung, die wohl deutlich resistenter ist als Messing und Edelstahl (und natürlich auch teurer). Hier sollten wir also die nächsten 20 Jahre Ruhe haben.

Dann wollen wir auf keinen Fall ohne Not den Mast verlieren. Die Krassy war, als wir sie gekauft haben, schon über 30 Jahre alt und wieder einmal konnte keiner sagen, wie alt das stehende Gut ist (Das sind all die Stahlseile, die den Mast halten). Das stehende Gut sollte so alle 10-15 Jahre ausgetauscht werden, aber das wird häufig von den Eignern ignoriert. Also war hier recht früh klar, dass wir da ranmussten. Bereits im zweiten Winter beauftragte ich einen Riggbauer, sämtliche Wanten, Stagen und Spanner auszutauschen. Um den Mast müssen wir uns eigentlich keine Gedanken machen. Der ist sehr stabil gebaut, und zeigt auch keinerlei Beschädigungen.

Kurz vor dem Start auf unsere Reise führte unser Riggbauer dann noch eine Rigginspektion durch. Die war einerseits von der Versicherung verlangt, und für uns andererseits noch eine schöne Bestätigung, dass alles in Ordnung ist.

Solange die Krassy schwimmt und der Mast steht, kann die Situation gar nicht so schlimm sein!

 

Was brauchen wir, um mit wirklich üblem Wetter klarzukommen?

Der Großteil unserer Reise führt uns in kleinen Etappen an irgendwelchen Küsten entlang. Wie in jedem normalen Segelurlaub sind wir abends im Normalfall im Hafen oder einer geschützten Ankerbucht. Wir haben immer einen aktuellen Wetterbericht, der für 2-3 Tage mittlerweile sehr zuverlässig ist. Wir werden also, abgesehen von vielleicht mal ein paar Gewitterböen, kaum in eine Situation kommen, in der wir es auf See mit einem echten Sturm zu tun haben. Soweit kommen wir also mit unserer Standard-Besegelung bestehend aus Groß, Genua, Fock und Blister gut aus.

Wenn wir aber länger zur See fahren als 2-3 Tage sieht die Welt anders aus. Auf den Atlantiküberquerungen sind wir gerne mal 2-4 Wochen unterwegs. So weit kann kein Wetterbericht in die Zukunft schauen. So kann es, zumindest auf der Rückreise, durchaus passieren, dass das ein oder andere ausgeprägte Tiefdruckgebiet über uns herfällt. Da müssten wir dann durch, und darauf müssen wir vorbereitet sein.

Wir wollten also eine sturmfeste Grundbesegelung haben, mit der wir zur Not auch ein bisschen Höhe zum Wind gewinnen können. Die besteht aus einer Sturmfock und einem Sturmgroßsegel (Trysegel).  Bei der Sturmfock stellte sich uns die Frage: Was darf es sein? Es gibt solche, die wie eine Socke über ein aufgerolltes Vorsegel gezogen werden, dann gibt es solche, die in die Nut eingeführt werden, in der die Rollsegel gefahren werden, und es gibt klassische Stagreiter-Segel. Nach ausgiebiger Überlegung und Recherche stellten wir fest, dass die Socken-Systeme bei Sturm wahrscheinlich kaum zu händeln sind, und dass bei Sturmfocks, die in die Rollanlage eingefädelt werden, ja erst mal das normale Rollsegel runter muss. Das kann auch abenteuerlich werden. Wir favorisierten also die Stagreiter-Variante. Der Nachteil: Wir hatten kein zweites Vorstag, an dem man das Segel setzen könnte. Das musste also vorher nachgerüstet werden. So wurde der Riggbauer unseres Vertrauens letzten Winter beauftragt, ein wegnehmbares Dyneema-Kutterstag nachzurüsten. Gleichzeitig habe ich über ebay Kleinanzeigen eine ziemlich gut passende, ungenutzte Sturmfock gekauft. Und wenn wir schon ein Kutterstag haben, wollen wir es auch nutzen: Also haben wir eine ältere Fock, die aber vom Segelmacher noch für gut befunden wurde, auf Stagreiter umrüsten lassen. Die können wir z.B. als Passatsegel nutzen, oder wenn wir mal gegen bisschen mehr Wind aufkreuzen müssen.

Der Gebrauchtsegelmarkt für Trysegel ist erstaunlich leer. Daher ließen wir uns eins für unsere Krassy speziell nach geltenden Regatta-Richtlinien fertigen. Es ist signal-orange und aus besonders festem Tuch gefertigt. Die knallige Farbe macht uns im Notfall aus der Luft gut sichtbar. Ein erster Test bei moderaten Bedingungen steht noch aus. Ob wir das Segel über den Baum fahren oder frei fliegend wie eine Genua, müssen wir noch austüfteln. Auch werden wir bei nächster Gelegenheit noch eine kleine Probefahrt unter Sturmfock und Try durchführen, um zu sehen, ob die Segel anständig stehen und gut zu setzen und bergen sind.

Damit ist unsere Segel-Garderobe komplett. Insgesamt schleppen wir jetzt 8 Segel mit: Großsegel, altes Ersatz-Großsegel, Trysegel, Rollgenua, Rollfock, Stagreiterfock, Sturmfock und Blister. Mal sehen, wie viele davon wir wirklich benötigen werden…

-Christian

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