Solarpaneele – Größer ist immer besser

Wenn es um Solarpaneele geht, gibt es eigentlich nur eine goldene Regel: Größer ist immer besser. Diese Regel steht aber leider im Gegensatz zu den Gegebenheiten an Bord – Wo will man auf einem Boot von der Größe der Krassy quadratmeterweise Solarpaneele anbringen? Der einschlägige Fachhandel bietet zwar eine Menge Lösungen an; so findet man neben den klassischen starren Paneelen  auch flexible und begehbare Varianten. Aber die Frage bleibt: Wohin damit? Das Deck ist gespickt mit Beschlägen und anderen Hindernissen, außerdem gefällt uns der Gedanke gar nicht, Panels auf dem Teakdeck zu montieren. Dann ist es essenziell, dass die Panels möglichst wenig abgeschattet werden. Selbst wenn nur eine Zelle abgeschattet ist, geht die Leistung des ganzen Panels zum Teufel (Oh ja, wir haben das ausprobiert. Wenn man damit im Hinterkopf ein bisschen durch die Häfen läuft, wird man feststellen, dass ein Großteil der verbauten Panels (oft auf Sprayhoods oder unterm Baum) wohl eher rein dekorativen Charakter hat)!

Eine gute und einfache Möglichkeit ist natürlich ein Geräteträger. Der sieht aber erstens nicht schön aus (können wir der Krassy nicht zumuten) und wäre außerdem nicht ganz billig, weil man ihn wieder speziell anfertigen lassen muss (können wir unserem Budget nicht zumuten). Diese Option fiel also für uns aus.

Am besten gefällt uns die Anbringung von starren Paneelen an der Reling. Dann wären die Panels nicht im Weg, und zumindest ein Panel könnte fast permanent völlig unbeschattet besonnt werden. Und wenn man die Panels jetzt noch in die Waagerechte aufrichten könnte, würden wir eine Top-Ausbeute erzielen.

So begaben wir uns auf die Suche nach Paneelen in einer geeigneten Größe und sammelten Ideen zur Relingsmontage. Einerseits durch Beobachtungen an anderen Booten, andererseits auf Messen. Man sieht häufig Panels am Relingsdraht befestigt. Das sind meistens die dünnen, begehbaren Panels. Von Seiten der Montage ist das recht simpel, man muss nicht viel umrüsten, kann die Panels aber nicht aufstellen. Auf der Boot Düsseldorf letztes Jahr wurden ein paar Relingshalterungen mit Verstellmöglichkeit ausgestellt. Sie alle basierten darauf, einen Teil der Seereling durch Edelstahlrohr zu ersetzen (ein vergrößerter Heckkorb sozusagen), an dem dann die Panels und Aufsteller befestigt wurden. Das gefiel uns gut, weil diese Lösung einfach sehr stabil ist, und auch bei schlechtem Wetter halten wird.

Was uns aber nicht gefiel war, dass die Panels dort direkt auf dem Relingsrohr saßen und man sich nur am scharfen Rand des Panels festhalten kann. Und was uns erst recht nicht gefiel war, dass die Halterung für ein Panel mitunter doppelt so viel kostete wie das Panel selbst!

Also bastelten wir uns selbst etwas. Wir ersetzten den oberen Relingsdraht im Bereich vom Heckkorb bis zur ersten Relingsstütze durch ein 25mm Edelstahlrohr. Dabei ging uns ein Schlosser zur Hand, der die Rohrenden zum Heckkorb hin (gemäß  einer von Steffi gefertigten Papp-Schablone) so bearbeitete, dass sie sauber anzubringen waren. Das andere Ende des Rohres bekam eine Endkappe mit Augbolzen, an dem dann der (verkürzte, neue) Relingsdraht angebracht wurde. Durch ein paar Bohrungen und einfache Steckbolzen wird die ganze Konstruktion auch zugstabil (wir wollen den Draht ja auch spannen).

Zur Montage der Panels an den Rohren wählten wir Alu-Halterungen von NOA aus. Die bestehen im Prinzip nur aus zwei Alu-Profilen, auf die das Panel geschraubt wird, und einer Schelle, mit denen die Profile am Relingsrohr befestigt werden. Schraubt man die Schellen nicht ganz fest zu, lassen sich die Profile (mit den Panels dran) schwenken.

Wir haben uns für zwei 100W-Paneele entschieden, die von der Größe her so dimensioniert sind, dass sie unter die Reling passen, ohne unten am Süll anzustoßen, und dass sie nur so lang sind, dass sie im heruntergeklappten Zustand nicht über unsere Scheuerleiste hinausragen. Sonst würden sie wohl nicht allzu lange leben.

Der letzte Schritt in diesem Projekt waren die Aufsteller. Hier haben wir uns bisschen an den teuren Profi-Aufstellern orientiert. Die bestanden im Wesentlichen aus zwei langen, schmalen Edelstahlplatten mit einem kammförmigen Ausschnitt, mit denen die Panels in verschiedenen Winkeln fixiert werden können (Foto oben). Nach ein bisschen Internetrecherche fand ich ein Unternehmen, das Stahlplatten nach Vorgabe per Laser schneidet. Man lädt eine CAD-Zeichnung mit der Schnittkontur hoch, wählt Material und Materialstärke (4mm V4A-Stahl bei uns) aus, und bekommt direkt einen Kostenvoranschlag. Ich war total begeistert! Man braucht auch nur rudimentäre 2D-CAD-Kenntnisse. Ich habe mir direkt eine kostenlose CAD-Software besorgt und losgelegt. Am Ende haben wir für vier geschnittene Bleche inklusive Porto 65€ bezahlt. Ein Schnapper! Braucht allerdings ein paar Wochen Geduld.

Das Resultat kann sich, denken wir, sehen lassen. Die Panels sind stabil befestigt, lassen sich mit ein paar Handgriffen schwenken und im heruntergeklappten Zustand sturmfest fixieren. Zur Not kann man auch den unteren Relingsdraht hinter ein Alu-Profil der Halterung fädeln, dann kann gar nichts mehr wegfliegen.

Die Energieausbeute der Paneele wird sich dann zeigen. Eine Faustregel besagt, dass in unseren gemäßigten Breiten eine tägliche Ausbeute in Höhe des drei- bis vierfachen der Panelnennleistung erwartet werden kann. Das wären dann 600-800Wh, bzw. 50-65Ah. Je weiter wir in sonnige und südliche Gefilde vordringen, können wir umso mehr erwarten.

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Der Laderegler ist angeschlossen

Im Sommerurlaub 2016 konnten wir bereits erste Erfahrungen mit den Paneelen sammeln. Die Aufsteller waren zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht gefertigt. Dennoch sind wir fast die gesamte Reise ohne Landanschluss klargekommen. Allerdings lief der Motor auch täglich, zumindest eine halbe Stunde morgens und abends.

Wir sind jedenfalls schon bisschen stolz auf unsere Lösung und auch zuversichtlich, dass die Panels uns während der Reise ein zuverlässiger Stromversorger sind. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte…

-Christian

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So stellen wir uns das vor. Der Windpilot (Harald) steuert, und die Solarpaneele halten die Batterien voll.
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