Unter fremder Flagge – eine kleine Fleißarbeit

Zu Christian’s Geburtstag Ende März wollte ich dieses Jahr was Besonderes machen. Am besten was selbst gemachtes für die Atlantikrunde. Auf meiner langen To Do-Liste für die Reise waren noch einige Punkte offen, einer davon waren die Gastflandflaggen für die vielen Länder, die wir auf der Reise anlaufen wollen.

Wieso also nicht?

Die Flaggen alle zu kaufen wäre eine sehr große Investition geworden, davon mal abgesehen, dass man gar nicht alle so leicht bekommt. Wer braucht in Deutschland schon eine Gastlandflagge von den Turks- und Caicosinseln? Und wenn man sie doch findet können die Flaggen locker bis zu 30 € pro Stück kosten.

Fertige weiße Flaggen zum Bemalen habe ich nicht gefunden, also habe ich weißen Baumwollstoff gekauft, rechteckig zugeschnitten und die Kanten gesäumt. Die linke kurze Kante der Flaggen habe ich jeweils offen gelassen, hier sollte später noch das Bändchen angenäht werden.

Wenn ich vorher gedacht hatte es wäre die größte Arbeit die Flaggen zu nähen und zu bemalen hatte ich mich gründlich geschnitten. Ich musste erstmal herausfinden, welche Flaggen wir überhaupt brauchen würden. In welche Länder würden wir eigentlich fahren? Über diese Frage hatten wir uns bisher nur sehr grob Gedanken gemacht. Als erstes musste ich also recherchieren für welche Länder wir die Flaggen brauchen würden. Die europäische Atlantikküste runter, vielleicht noch Marokko, Kanaren, vielleicht Kapverden. Das war ja noch einfach. Schwieriger war es herauszufinden welche karibischen Inseln wir ansteuern würden und welche überhaupt auf dem Weg liegen. Das war gar nicht so einfach, weil es wahnsinnig viele Inseln auf dieser Route gibt. Für den Rückweg über die USA kamen dann noch Bermuda und die Azoren hinzu und vorsichtshalber auch noch Irland, Nordirland, Wales und Schottland.

Insgesamt hatte ich am Ende 44 Länder zusammen für die wir wahrscheinlich die Flaggen brauchen würden.

Als nächstes musste ich dann recherchieren wie die Flaggen genau aussehen und sie dann groß genug ausdrucken, damit ich sie als Muster unter meinen Stoff legen konnte.

Nach und nach konnte ich dann anfangen die Flaggen zu malen. Hierfür hatte ich mir ein Set mit lichtechter Textilfarbe und Textilstifte gekauft. Die Farben sind eher pastenartig, sodass man sie verdünnen muss um größere Flächen zu bemalen. So kann man allerdings dann auch ganz gut mischen.

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Die Entstehung des Red Ensign

Einige Flaggen waren fix gemacht. Die Niederlande, Frankreich und Belgien zum Beispiel. Ein paar farbige Balken und fertig. An anderen habe ich ziemlich lange gesessen, weil sie aufwändige Wappen, Krönchen und Bilder zeigen. Haiti zum Beispiel hat mich sehr viel Zeit gekostet…

Was ich zunächst natürlich nicht bedacht hatte war, dass ich ja alle Flaggen sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite bemalen musste, weil sich die Farbe nicht vollständig durch den Stoff drückt. Also quasi doppelte Arbeit…

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So sieht der Red Ensign aus, wenn die Rückseite noch nicht bemalt ist

Als alles bemalt war habe ich die noch offene Kante mit einem weißen Band eingefasst und oben und unten ein Bändchen eingenäht an dem man die Flagge später hissen kann. Zum Schluss habe ich dann alle Flaggen gebügelt um die Farben zu fixieren.

Einfach nur einen Stapel Flaggen zu verschenken ist aber natürlich nicht meine Art. Sie mussten auch angemessen aufbewahrt werden können. Es musste also noch eine Flaggentasche her!

Um alle 45 Flaggen (44 Länder + Krassy-Flagge) unterzubringen musste ich zuerst genau planen wie die Tasche aufgeteilt sein müsste. Sie sollte natürlich so gestaltet sein, dass man sie auch verstauen kann, am besten eingerollt, damit sie möglichst wenig Platz wegnimmt.

Der Rest vom Persenning-Stoff war ideal für die Tasche geeignet. Hier habe 4 lange Stoffstreifen so aufgesteppt, dass sie jeweils 11 bzw. 12 kleine Taschen bilden in die man die Flaggen einstecken kann. Mit meinem Plotter hatte ich vorher noch aus Flexfolie die Ländernamen ausgeschnitten und auf die einzelnen Taschen gebügelt damit später die Flaggen an die richtige Stelle stecken kann. Die ganze Tasche habe ich dann noch mit goldenem Saumband eingefasst und alle Flaggen ordentlich aufgerollt an ihren zugewiesenen Platz gesteckt. Die Tasche selbst war am Ende viel zu dick um sie aufzurollen, aber dafür sieht sie so toll aus, dass wir sie einfach im Boot aufhängen können. Einen guten Platz im Salon haben wir auch schon gefunden.

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Zu den Flaggen habe ich sogar noch ein kleines Buch gebastelt in dem für jedes Land die Flagge mit einer kurzen Beschreibung und einige wichtige Eckdaten zu jedem Land aufgeführt sind. Das meiste davon kam per copy+paste von Wikipedia aber ich habe zusätzlich noch alle Küstenfunkstellen und Seenotrufnummern herausgesucht. Wer weiß, vielleicht braucht man sie ja doch mal und muss dann nicht erst lange suchen.

Insgesamt habe ich fast 2 Monate an diesem Projekt gesessen. Die größte Schwierigkeit dabei war, dass ich alles heimlich machen musste damit Christian nichts mitbekommt. Sonst wäre meine schöne Überraschung dahin gewesen…

Mein Geschenk war dafür aber der Knaller und Christian hat sich richtig gefreut!

-Steffi

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3 Gedanken zu „Unter fremder Flagge – eine kleine Fleißarbeit“

  1. Wow. Was für ein hammermäßiges Geschenk! Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr möglichst viele der Flaggen zum Einsatz bringen könnt. Ich werde das über Euren Blog (auf den ich leider gerade erst gestoßen bin) mit gerne weiter verfolgen.
    Grüße aus Hamburg,
    Handbreit
    Ralf, SY Flora

    Gefällt 1 Person

    1. Hey! Ich habe flüssige Stoffmalfarben von Idee und Textilstifte für die filigraneren Details benutzt. Die flüssigen Farben muss man etwas mit Wasser verdünnen, sonst werden die Flaggen ziemlich hart und scheuern sich ab. Zum Schluss alles noch mal bügeln, dann ist die Farbe fixiert. Viel Spaß beim malen 😊
      Steffi

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